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Internetantrag aus Tel Aviv : Israel liebt Iran

  • -Aktualisiert am

Die Schlagzeile in der arabischen Welt: Israel liebt Iran Bild: dpa

Ein Ehepaar aus Tel Aviv veröffentlicht einen programmatischen Slogan in Facebook. Die Freundschaftsbekundung löst noch keine politische Bewegung, aber begeisterte Reaktionen aus.

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          Die Eheleute Ronnie Edri und Michal Tamir aus Tel Aviv, beide Graphikdesigner, waren die wiederholten Kriegsdrohungen der israelischen Politiker gegen Iran endgültig leid. Vor einer Woche schritten sie zur Tat und veröffentlichten auf einer eigenen Facebook-Seite ein Poster mit dem programmatischen Slogan: „Iraner, wir werden euer Land niemals bombardieren. Wir lieben euch.“ Die Botschaft richtete sich ausdrücklich an alle „Väter, Mütter, Kinder, Brüder und Schwestern“ in Iran und war dementsprechend von einem Familienfoto des Ehepaars mit Kleinkind begleitet. „Krieg kann es zwischen uns nur geben“, schrieb Edri dazu, „wenn wir voreinander Angst haben und uns gegenseitig hassen. Doch weder habe ich Angst vor euch, noch hasse ich euch. Ich kenne euch nicht einmal, und kein Iraner hat mir je etwas Böses getan.“

          Die bemerkenswerte Freundschaftsbekundung wäre wahrscheinlich wie zahllose andere ephemere Internetaktionen im virtuellen Raum entschwunden, hätte sie nicht einen empfindlichen Nerv getroffen. Tatsächlich wurden die israelischen Initiatoren schon bald mit Hunderten zustimmender E-Mails aus Iran, Israel und anderen Ländern überflutet. Als der elektronische Poststurm nicht nachlassen wollte, richtete man für die laufende Aktualisierung eine eigene Webdomain (www.israelovesiran.com) ein, mit deren Betreuung mittlerweile ein halbes Dutzend israelischer Aktivisten pausenlos befasst ist. Viele der begeisterten Reaktionen kommen sowohl aus Iran selbst wie auch aus Kreisen oppositioneller Exiliraner.

          Keine Geburt neuer Bewegungen

          Inzwischen sind auf iranischer Seite mehrere parallele Initiativen entstanden. So wurde in Iran in den letzten Tagen die Facebook-Kampagne „From Iran for Peace and Democracy“ gestartet, deren Initiatoren allerdings anonym bleiben, weil sie Repressionen fürchten müssen. Einige der beteiligten Iraner, die im Exil leben, waren indes bereit, der israelischen Zeitung „Globes“ ein Interview zu geben. So etwa äußerte die junge Künstlerin Camilia Hajhasam aus Paris ihr Verständnis für die Ängste der Israelis vor Teherans Atomprojekt, das nach ihrer Kenntnis auch vielen in ihrem Heimatland Sorgen bereite. Für sie und ihre Freunde in der Heimat seien solche Internetaktionen auch deshalb eine besondere Herausforderung, weil das repressive Regime gerade dabei sei, das Land vom globalen Netz abzukoppeln und noch tiefer in die Isolation zu stürzen. Die Künstlerin hofft, dass sich das virtuelle Projekt in Iran zu einer politischen Aktion größeren Ausmaßes entwickelt.

          Auf israelischer Seite rechnet man zwar nicht unbedingt mit der Geburt einer politischen Bewegung. Initiatorin Michal Tamir hofft aber, dass die israelisch-iranischen Verbrüderungsforen auf ihre Art einen Beitrag zur Kriegsprävention leisten. Besonders erfreulich finden beide Seiten das Medieninteresse auch in der arabischen Welt, wo die Schlagzeile „Israel liebt Iran“ schon seit mehreren Tagen die Runde macht.

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