https://www.faz.net/-gqz-7lfb4

Internet der Dinge : Küchenkrieg

Wenn das Internet der Dinge in Fahrt kommt, können Sie vor Ihrem Kühlschrank nicht mehr sicher sein. Ein Zukunftsszenario? Nein. Gegenwart.

          2 Min.

          Stellen Sie sich vor, Ihr Toaster brennt. Und Sie sind gar nicht zu Hause. Oder der Kühlschrank taut sich ab. Der Herd glüht durch. Der Backofen explodiert. Ihr Wagen verlässt die Garage. Und die Heizung versendet ununterbrochen freche E-Mails - und legt dann noch, kurz bevor der Rasenmäher das Nachbargrundstück angreift, ihren Computer lahm.

          Das ist keine Science-Fiction, das ist - mit ein paar Abstrichen - so, beziehungsweise, es war schon so: Einer Expertin des amerikanischen Datensicherheitsanbieters „Proofpoint“ fiel kürzlich eine neue Flut infizierter E-Mails auf, die durch das Netz schwappte, mehr als 750.000 Aussendungen mit Schadsoftware, gesendet dreimal täglich mit jeweils hunderttausend Mails. Rasch wurde ihr klar, dass die E-Mails nicht von Computern aus geschickt worden sein konnten. Und als sie einen Absender aufrief, öffnete sich ein Fenster mit der Nachricht: „Willkommen in Ihrem Kühlschrank“.

          Vom Zwischenfall zum Ernstfall

          Willkommen in der Gegenwart: Unsere Geräte sprechen mit uns und miteinander. Sie geben uns ihre Werte durch, warnen, wenn etwas nicht in Ordnung ist, lassen sich fernsteuern, reagieren auf unsere Nähe oder unseren Aufbruch. Das heraufziehende Internet der Dinge, in dem nicht nur Menschen mittels Maschinen miteinander kommunizieren, sondern die Maschinen und Gegenstände sich selbständig melden, verändert unser Leben. Und es vervielfältigt unsere Angriffsfläche, erweitert sie in einen Bereich, der wesentlich schlechter geschützt ist als jeder Computer. Wer kommt schon auf die Idee, das Passwort seines Fernsehers zu ändern, die Software gelegentlich zu aktualisieren oder bei frisch entdeckten Schwachstellen Korrekturen vorzunehmen?

          Oft genug denkt nicht einmal der Hersteller daran: Die verwendeten Bauteile sind billig und mitunter schon veraltet, bevor sie eingesetzt werden. Dass die Geräte sich und ihre Nutzer auch schützen können müssen, vor Viren, Spam und feindlichen Übernahmen, wird in der Regel nicht bedacht. Dass die Gefahr wächst, ist allerdings klar: Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2020 mehr als zweihundert Milliarden Dinge ans Internet angeschlossen sein werden. Noch sind Angriffe, bei denen Notrufsysteme ausgeschaltet, Rechenzentren überhitzt und die Grundversorgung ganzer Großstädte lahmgelegt werden, Phantasie. Oder es sind Planspiele und Notfallszenarien.

          Man darf den Angriff, der sich zwischen den Jahren ereignete, für einen noch vergleichsweise harmlosen Zwischenfall halten: Etwa hunderttausend Geräte waren betroffen, keines von ihnen hat, soweit wir wissen, mehr als zehn gefährliche E-Mails verschickt. Allerdings sind die Sicherheitsexperten auch nur durch den Mail-Verkehr auf die Attacke gestoßen. Ob sich die betroffenen Kühlschränke abgetaut oder womöglich gar erhitzt und selbst in Brand gesetzt haben, was die befallenen Fernseher jetzt alles senden und empfangen, zu welchen Schandtaten die infizierten Router noch bereit sind, ist unklar. Fest steht lediglich, dass es sich hier um einen der ersten nachweisbaren Cyber-Angriffe aus dem Internet der Dinge gehandelt hat. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie Ihren Elektrohändler.

          Topmeldungen

          Kündigt Sanktionen gegen die Türkei an: der amerikanische Präsident Donald Trump.

          Stahlzölle steigen : Trump kündigt Sanktionen gegen Türkei an

          Washington hatte Ankara mehrfach gewarnt, nun macht die Regierung ernst: Die Strafzölle auf Stahl aus der Türkei sollen wegen der umstrittenen Militäroffensive der Türkei in Syrien auf 50 Prozent steigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.