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Intellektuelle unter Hitler : Zeuge war, wer nicht mitmachte

  • -Aktualisiert am

Von Ambivalenz bis Umdeutung: Das Verhältnis des Privatgelehrten Ludwig Klages (Mitte) zum Dritten Reich entwickelte sich Schritt für Schritt. Bild: George-Kreis

Wie viel Heidegger ist im Nationalsozialismus? Eine Marbacher Tagung beschäftigt sich mit den Schriften von Dichtern, Verlegern und Philosophen während der NS-Zeit.

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          In Marbach, im Deutschen Literaturarchiv, fand jetzt eine bemerkenswerte Tagung statt. Angekündigt war sie unter dem Titel „,Deutscher Geist in Gefahr‘. Dichter, Philosophen, Verleger und der NS-Staat“, doch von Ernst Robert Curtius, der 1932 die berühmte Streitschrift vom gefährdeten deutschen Geist verfasst hatte, war nicht weiter die Rede und auch nicht von Verlegern oder Gottfried Benn und Rudolf Alexander Schröder, die als beispielhafte Autoren genannt waren. Dennoch war es eine ungewöhnlich gelungene Tagung, kurz und konzentriert, mit Vorträgen, die ausnahmslos substanzreich waren. Aber was heißt dennoch? Vielleicht beruhte der Erfolg ja auf der Lässigkeit, mit der die Vorgaben behandelt wurden, auf der Möglichkeit, dem weit aufgefassten Gegenstand in je eigenem Sinn entgegenzuarbeiten?

          Der Schriftsteller und Historiker Per Leo, Spiritus Rector der Tagung, sprach in seiner Begrüßung bereits von den Pluralitäten im Nationalsozialismus. Und er berichtete (wie schon in einem scharfsinnigen Artikel in dieser Zeitung) von einer Tagung in Siegen zu Martin Heideggers „Schwarzen Heften“, auf welcher der Historiker Christian Geulen die Frage stellte, ob es nur darum gehe, wie viel Nationalsozialismus in Heidegger stecke oder nicht umgekehrt und mehr noch, wie viel Heidegger im Nationalsozialismus.

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