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Sexfilme für Taube : Pornhub jetzt mit Untenrum-Titeln

Pornographie im Netz Bild: Kat Menschik

Nur mal kurz nicht hingehört, und schon hat man im Sexfilm den Anschluss verloren – wer kennt das nicht? Deshalb bietet eine Porno-Website bald einen besonderen Service für taube und hörgeschädigte Nutzer.

          Zugegeben: Ein Film ohne Geräusche macht nur halb so viel Spaß. Und wenn man nicht versteht, was gesprochen wird, fühlt man sich vor dem Fernseher wie im echten Leben schnell ausgeschlossen. Dass ausgerechnet Pornhub, eine Größe im Online-Porno-Business, da Abhilfe schaffen will, ist deshalb unbedingt begrüßenswert. Eine eigene Sammlung mit mehr als 1000 beliebten Videos aus allen Kategorien will die Seite zusammenstellen und mit „descriptive and interpretive text“ versehen, auch die emotionalen Umschwünge in den Stimmen (das steht wirklich in der Pressemitteilung!) und „non-vocal audio“, sprich: Gemaunze, sollen vorkommen.

          Interpretativer Text also – wie genau darf man sich das bei einem Porno vorstellen? „Ihre Stimme klingt, als wolle sie es auch?“ Dabei wäre alles, was irgendwie Deutung bietet, auch für Nicht-Hörgeschädigte eine echte Hilfe beim grundlegenden Verständnis der Handlung, es gibt da ja auch wenig Sekundärliteratur. Dabei gehört es quasi zum Genre, dass der Sinn der Dialoge sich etwa so leicht erschließt wie „Ulysses“, obwohl sie aus Subjekt-Prädikat-Objekt-Sätzen bestehen. Aber gerade weil sie so wenig Sinn ergeben, sind sie meist doch von erhabener Überflüssigkeit. Man muss nicht mal den Klassiker „Warum liegt hier eigentlich Stroh?“ bemühen, um das zu belegen – es genügt die Feststellung, dass auf Seiten wie Pornhub viele Videos auf das Wesentliche gekürzt sind, weil man die Handlung zur generellen Freude am Porno nicht braucht. Dumme Gespräche muss man ja schon in der U-Bahn genug mithören, das kann man dann zu Hause direkt überspringen.

          Die Dialoge sind bei Pornos also nicht gerade wesentlich, aber andere Geräusche natürlich durchaus, die genannten „non-vocal audios“. Wer häufiger Serien oder Filme mit englischen Untertitel schaut, um das Gesprochene besser zu verstehen, hat sie längst zu hassen gelernt: „Clears his throat“ steht da jedes Mal groß und fett, wenn sich jemand in einer traurigen Situation, in der es nichts zu sagen gibt, leise räuspert. Fans von „Dr. House“ müssen mit quasi minütlichen Einblendungen des Wortes „chuckles“, „kichert“, leben. Und bei Pornhub gibt es also nun jemanden, der das Wort „stöhnt“ in sämtliche Online-Thesauren eingibt und die Ergebnisse mit wechselnden Adverbien wie „leidenschaftlich“, „wild“ und „laut“ versieht. Vielleicht schreibt er oder sie auch einfach sehr häufig „Aaaaahhhh“. Wer einmal „Die Walküre“  von Wagner gesehen hat, bei der die Übertitel häufig Dinge wie „Hojotoho! Heiaha!“ anzeigen, kann sich einfühlen.

          Pornhub nutzt übrigens die Gelegenheit, um in der Pressemitteilung weitere eigene Verdienste aufzuführen, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen: Das Unternehmen sammelt für Pandas (die bekanntlich in manchen Zoos mit Pornos zur Fortpflanzung stimuliert werden sollen), kümmert sich um Aufklärungsvideos für alte Menschen und hat das „Pornhub Cares“-Stipendium ins Leben gerufen, bei dem jährlich ein fünfstelliger Betrag an einen „verdienten Studenten“ geht. Das macht sich auch gut im Lebenslauf.

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