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Infantin Cristina und anderer Kummer : Die Marke Spanien ist beschädigt

Sie könnte als erstes Mitglied der spanischen Bourbonendynastie vor Gericht: Die Infantin Cristina, die jüngere der beiden Töchter von König Juan Carlos. Bild: dpa

Nach der Vorladung der Infantin Cristina gerät das spanische Königshaus immer tiefer in den Korruptionssumpf. Die politischen Institutionen des Landes sind diskreditiert. Eine Imagekampagne soll helfen - kann es aber nicht.

          Laut einer Umfrage des spanischen Meinungsforschungsinstituts Metroscopia sind erstmals jene Spanier in der Mehrheit, die die Amtsführung ihres Königs missbilligen. Zum Zeitpunkt der Erhebung dieser Daten war noch nicht bekannt, dass die jüngere der beiden Töchter des Monarchen, Infantin Cristina, vom Richter vorgeladen wurde, um in Palma de Mallorca im Korruptionsfall Urdangarin auszusagen.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Schon lange hatten sich Beobachter ja darüber gewundert, dass die Frau, die mit dem betrugs- und korruptionsverdächtigen Iñaki Urdangarin Tisch und Bett teilt, von den mutmaßlichen Machenschaften nichts gewusst haben will. Noch nie stand ein Mitglied der spanischen Bourbonendynastie vor Gericht. Noch nie in demokratischen Zeiten war das Ansehen der Krone so schlecht.

          Und wie ist die Reaktion der Politik? Spaniens Außenminister José Manuel García Margallo betonte, es gelte die Unschuldsvermutung. Im Übrigen, sagte er, hoffe er auf schnelle Erledigung des Falls, denn „er nützt nicht der Marke Spanien“.

          Die Krise der Wirtschaft ist auch eine der Moral

          Das verdient, festgehalten zu werden: In den Augen der Funktionseliten ist die „Marke Spanien“ das schützenswerte Gut, nicht der Rechtsstaat, die Verfassung oder die Transparenz in Wirtschaft und Politik. Es fällt schwer, darin kein Muster zu sehen, denn die tiefe wirtschaftliche Krise Spaniens ist auch eine moralische. Die Fixierung auf den äußeren Anschein ist die vordringliche Sorge angesichts der Katastrophenmeldungen der letzten Wochen und Monate.

          Nicht nur dem Königshaus, auch anderen Institutionen des Staates laufen die Anhänger davon. Im Windschatten von Arbeitslosigkeit, Überschuldung und Korruption ist ein tiefgreifender Generationenwandel im Gang, der nur eine Richtung kennt. Sortiert man die Zustimmungsraten der Metroscopia-Umfrage nach Alterskriterien, genießen bei den unter Vierunddreißigjährigen die Wissenschaftler, Ärzte und Lehrer das größte Vertrauen, Berufsgruppen also, deren Bezahlung in Spanien traditionell schlechter ist als in nordeuropäischen Ländern und die oft auch ein geringeres Sozialprestige haben.

          Das Radio finden die jungen Leute übrigens weit glaubwürdiger als das Fernsehen, was für Spanien insgesamt gilt. Den Kronprinzen Felipe lassen sie mit plus zwei Punkten (von hundert) so gerade noch durchgehen, während sie seinen Vater Juan Carlos I. mit 41 Minuspunkten (von hundert) abstrafen: Bei den Jüngeren verfängt die Geschichte von der historischen Leistung der „transición“ und der Mittlerrolle des Königs in den siebziger Jahren nicht mehr. Sie wollen nicht Legenden, sondern Taten.

          Eine Beispiel, wie es anders gehen könnte

          Diese erwarten die jungen Spanier offenbar auch vom gewählten Parlament nicht mehr (minus 58 Punkte), nicht von der katholischen Kirche (minus 59), den Bischöfen (minus 64), der spanischen Regierung (minus 73), den Banken (minus 84) oder den politischen Parteien insgesamt (minus 91 Punkte, der schlechteste Wert überhaupt).

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