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Indonesien : Zurück in die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Kurze Tage, lange Nächte: Leif Randt hat im Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse Reisetagebuch geführt und den Einheimischen erklärt: „The nicest island in Germany is the island of Hessen.“

          9 Min.

          Ich beginne mein Tagebuch am Flughafen von Istanbul bei „The Greenport“, einer offenen Bar, die zwischen diversen Duty-free-Boutiquen und Parfumshops Efes-Biere und Tee verkauft. Bis zum Weiterflug nach Jakarta werden noch mehr als zwei Stunden vergehen. Meine Bordkarte musste wegen eines Systemfehlers von einer Mitarbeiterin am Schalter der Turkish Airlines per Hand ausgefüllt werden. Ich mache mir keine übermäßigen Sorgen deshalb. Generell ist das die stoische Haltung, die ich mir vorgenommen habe, als ich mich fragte, wie ich es in den Tropen eigentlich aushalten will als jemand, der bereits das Spazierengehen am Schlesischen Tor unerträglich findet. Sich nicht zu viele Sorgen machen, dachte ich, die Dinge passieren lassen, an das Gute glauben. Ich bestelle Salznüsse und ein Wasser. Im Radio läuft eine Instrumentalversion von Celine Dions „My heart will go on“.

          Dreizehn Stunden später bin ich von Jakartas Wärme spontan begeistert. Die Flughafenmitarbeiter tragen weit geschnittene, pastellfarbene Uniformen, und ihr Lächeln wirkt tatsächlich ansteckend. Ich bewege mich langsam, es ist längst dunkel. Der Fahrer des Goethe-Instituts erklärt, dass in Indonesien jeden Abend um Punkt sechs die Nacht hereinbricht, an 365 Tagen im Jahr. Die Regenzeit ist gerade vorbei.

          Auf der Stadtautobahn denke ich zunächst an Chicago, was an den Hochhäusern liegen mag und an den überdimensionalen Werbetafeln. Wäre ich jemals in einem anderen asiatischen Land gewesen, würde ich vermutlich an diese Länder denken anstatt an die Vereinigten Staaten. Wahrscheinlich denken viel zu viele Leute viel zu oft an Amerika. Der Wagen des Goethe-Instituts steht selbstverständlich eine Weile im Stau. Nun bin ich also Teil jener vielspurigen Blechlawine, die ich aus der Bildersuche kenne. Blutjunge Rollerfahrer, bunt geringelte Polohemden, weißer Mundschutz.

          Wurde beinah von einer Kokosnuss erschlagen: Leif Randt.
          Wurde beinah von einer Kokosnuss erschlagen: Leif Randt. : Bild: dpa

          Die Idee ist, dass mich in Jakarta jetzt erst mal das Gleiche interessiert, das mich auch in einer europäischen oder amerikanischen Metropole interessieren würde. Am Telefon habe ich dem Leiter des Goethe-Instituts etwas plump die Stichworte Mode, Kunststudenten und elektronische Musik genannt. Ich bin einverstanden damit, mich fortan für die Leidenschaften von Menschen zu interessieren, die jünger sind als ich. In meinem Alter ziehen sich die meisten in Partnerschaften und Familien zurück, weil sie sich davon mehr Halt versprechen als von den eklektischen Gemeinschaften der Zwanziger. So gesehen, hat mich das Goethe-Institut in ein besseres Land geflogen. Man sagt, die Hälfte aller Indonesier sei jünger als dreißig.

          Clubs wie Disney-Fahrgeschäfte, in denen keiner tanzt

          Am Samstagabend geht man mit mir clubben. Meine beiden regionalen Guides, zwei junge Frauen aus Jakarta, erzählen, dass dem Nachtleben ihrer Stadt etwas fehlt, seit das legendäre Stadium geschlossen wurde. Ein Polizist sei in dem 24-Stunden-Club vor gut einem Jahr an einer Überdosis gestorben, was zwangsläufig wie eine eher mäßige Pointe klingt.

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