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Indische Dichterin in Frankfurt : Unsere Kultur in eurer Welt

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„Auf keinen Fall zu viel auf einmal sehen” - die Dichterin Adyasha Das in Frankfurt Bild: Hölzinger-Deusch

Zur Buchmesse ist ganz Frankfurt voller Autoren, Verleger, Lektoren und Agenten aus dem Gastland. Eine ist jetzt schon da: Seit ein paar Wochen ist die indische Dichterin Adyasha Das am Main zu Gast. FAZ.NET hat sie getroffen.

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          Auf die Frage, was Adyasha Das trinken möchte, geht ein leichter Ruck durch ihren zierlichen Körper, bekommt die Dichterin aus dem Land des Tees etwas freudig Kindliches. Sie hätte gerne einen Kaffee. Der werde hier nämlich immer in einem hohen Glas serviert, mit viel Schaum. Die zierliche Schriftstellerin lächelt entschuldigend: „Bei uns in Indien gibt es diese Art von Kaffee nicht. Ich habe Latte macchiato hier erst kennengelernt und trinke ihn jetzt eigentlich andauernd.“

          Wir sind der hämmernden Musik im Inneren des Frankfurter Cafés entflohen. Draußen dröhnen die Autos der Hauptstraße an uns vorbei, doch das scheint der Inderin nichts auszumachen. Ein leichter Wind frischt auf, und Adyasha Das zieht ihr blaues Seidentuch enger um ihr gold-blaues Kleid. „Ich habe extra keinen Sari angezogen“, meint sie, „aber ich wollte auf traditionelle Kleidung nicht verzichten. Man sieht doch eh, daß ich Inderin bin und aus einer anderen Kultur komme.“

          Dichterin, Sängerin, Dozentin

          Als der Latte macchiato kommt, sitzt Adyasha Das kerzengerade auf ihrem Plastikstuhl, die Hände liegen ruhig im Schoß. Sie braucht keine großen Gesten, um sich verständlich zu machen. Mit leisen und schlichten Worten erzählt sie von ihrer Arbeit und ihrem Land. Es ist beeindruckend, wie sehr diese Frau in sich selbst zu ruhen scheint. Ob diese fast meditative Entspannung einen religiösen Hintergrund hat? Ihre Augen werden sanft. „Natürlich bin ich ein religiöser Mensch. Ich habe ständig das Gefühl, daß Gott mich umgibt und begleitet. Deswegen ist die Verbindung zum Göttlichen auch oft ein Thema in meinen Publikationen. Wie zum Beispiel in dem einen Gedicht über einen jungen Mann, der Gott spüren kann. Trotzdem will er ihn unbedingt sehen, damit er sich seiner Existenz sicher sein kann.“

          Und schon ist man in ihrer Welt der Geschichten und Gefühle. Adyasha Das ist nicht nur Dichterin. Sie ist Sängerin, Dozentin für Betriebswirtschaft und Kommunikation. Aber vor allem ist sie Geschichtenerzählerin. Denn nur mit Geschichten, sagt sie, kann sie erfahrbar machen, welche Gedanken und Gefühle in ihr vorgehen. Und die sind ihr wichtig - auch wenn sie vor ihrer Kommunikationsklasse steht. „Es gibt nichts Schlimmeres als langweiligen Unterricht, und auch Daten und wissenschaftliche Fakten kann man in Geschichten einbauen. Dann lernt man soviel mehr als nur die blanke Theorie.“

          Der unbekannten Kultur die Hand gereicht

          Zusammen mit sechs weiteren indischen Autoren ist Frau Das vom Goethe-Institut eingeladen worden, vor der Buchmesse, deren Gastland in diesem Jahr Indien ist, ein paar Wochen in einer deutschen Großstadt zu Gast zu sein. Im Gegenzug besuchen sieben deutsche Schriftsteller den Subkontinent. Das Austauschprogramm „Akshar“ (Sanskrit für Buchstabe oder Alphabet) möchte durch Gespräche und Online-Tagebucheinträge (siehe auch: Tagebuch von Adyasha Das auf den Seiten des Goethe-Instituts)erfahrbar machen, wie man mit der Fremde und der anderen Kultur umgehen kann. Und die Buchmesse in Frankfurt ist ein guter Ausgangspunkt für diesen kulturellen Austausch.

          Jetzt ist Adyasha Das drei Wochen lang in Deutschland. Als Autorin versucht sie auf der Frankfurter Buchmesse einen deutschen Verleger zu finden. Als Lyrikerin versucht sie möglichst viele sinnliche Eindrücke abzuspeichern. Als Musikerin klingt die fremde Welt in ihr, und als Dozentin sucht sie bereits jetzt nach den richtigen Worten, die ihre Erfahrungen möglichst lebhaft beschreiben, denn sie möchte ihren Studenten alles über Deutschland erzählen. Mit einem Lächeln lenkt die zierliche Inderin gleich wieder ein: „Ich möchte von meinen Erlebnissen in diesem Land berichten. Aber ich möchte auf gar keinen Fall zuviel auf einmal sehen. Weniger ist mehr - das kann man besser verarbeiten und verinnerlichen.“ Und wenn man sich diese Frau mit dem goldenen Stirnschmuck genau betrachtet, wie sie so gelassen dasitzt, wird man den Eindruck nicht los, daß sie unserer unbekannten Kultur auch gar nicht hinterherhecheln muß - sie kommt auf sie zu und reicht ihr die Hand.

          Eine Frage der Vielfalt

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