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In medias res : Gebt uns "Tutti Frutti" wieder!

  • Aktualisiert am

Caroline Beil - und man sehnt sich nach „Tutti Frutti” Bild: RTL

Die RTL-Show, „Ich bin ein Star“, bringt die Kandidaten zur Verzweiflung. Uns aber bewegt die Hoffnung, daß dies die vorletzten Zuckungen einer Programmgattung sind, die mit "Big Brother" begann und wohl erst endet, wenn Kandidaten sich duellieren.

          Sollen wir RTL jetzt gratulieren? Bei 39,5 Prozent, so jubelmeldet die Deutsche Presse-Agentur, habe am Sonntag abend der Marktanteil der Show "Ich bin ein Star" unter den vierzehn bis neunundvierzig Jahre alten Zuschauern gelegen, 6,28 Millionen Menschen schalteten die Sendung ein, bei der zehn "Prominente" sich im australischen Dschungel auf allerlei unappetitliche Abenteuerart piesacken lassen.

          Da gilt es, Insekten zu essen, Schlangen zu jonglieren und das Trinkwasser aus dem Tümpel abzukochen, in dem man eben noch gebadet hat. Nicht zu vergessen jene 30.000 Kakerlaken, die auf Daniel Küblböck niedergingen. Allein der Anblick garantiert den vollständigen Ekel, den der unter die Wilden gefallene "Superstar" durchlitt.

          Noch einmal zum Mitwürgen

          Auf der Titelseite der "Bild"-Zeitung wird es noch einmal zum Mitwürgen abgebildet. Und heute geht es weiter, wenn feststeht, daß Küblböck bei der dritten Mutprobe, bei welcher er seinen Kopf in ein "Terroraquarium" stecken sollte, die Nerven verloren hat. Die einen schauen es sich an, die anderen regen sich auf, uns aber bewegt die Hoffnung, daß dies die vorletzten Zuckungen einer Programmgattung sind, die mit "Big Brother" begann und wohl erst endet, wenn die jeweils in irgendwelchen Containern oder Dschungelcamps versammelten Kandidaten den Auftrag bekommen, sich mit Uzis zu duellieren.

          Noch nicht oder nicht mehr richtig prominent

          Um sich Sorgen um jene zu machen, die bei dem Eiertanz mitlaufen, ist es nun zu spät. Das hätten ihre PR-Berater erledigen und darauf hinweisen sollen, daß, wer wirklich ein Star oder profund prominent ist, sich seinen Auftritt in der Öffentlichkeit nicht durch solche Quälereien versaut. Die aber, die wir da im RTL-Dschungel kriechen sehen, sind entweder noch nicht oder nicht mehr richtig prominent, anders läßt sich das freiwillige Spießrutenlaufen nicht erklären. Sie zählen zu jener gesellschaftlichen Klasse, die in der fabelhaften Science-fiction-Saga "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams in dem Glauben ins All geschossen wird, daß sie dort unentdeckte Welten erobern soll.

          In Wahrheit sind es drittklassige Friseure und Katasterbeamte, die man loswerden will. Es fiele einem in der Tat mancher ein, der noch mit auf die Reise sollte, doch dann würde die Serie vielleicht etwas lang. Gratulieren dürfen wir RTL dennoch: Der Sender, der seit Jahren das Reglement anführt, beweist, daß das Privatfernsehen nach zwanzig Jahren noch beklopptere Sendungen produzieren kann als in den ersten Tagen. Gebt uns "Tutti Frutti" wieder!

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