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Streit um Veganismus : „Wie wäre es mit einer Serie über die Tötung von Veganern?“

  • -Aktualisiert am

Alles nur Soja: Angebot der vegetarischen Mensa der FU Berlin. Bild: Picture-Alliance

Veganismus – für die einen ist er ein Schritt zu einer nachhaltigeren Welt, für die anderen Ausdruck eines moralischen Hochmuts der „Schneeflocken-Generation“. In Großbritannien eskaliert nun der Streit um die richtige Ernährung.

          5 Min.

          Mahlzeiten sind neben dem organisierten Glauben der stärkste Ausdruck des menschlichen Bedürfnisses nach Gemeinschaft. Beide Formen des sozialen Zusammenseins säen aber auch Zwietracht. So wie die Religion nicht nur bindet, sondern auch polarisiert, wird auch die Esskultur zunehmend zu einem Thema, an dem sich Streit entzündet, vor allem deswegen, weil bestimmte Diäten ethisch-politische Identifikationsflächen geworden sind. Für eine wachsende Zahl vor allem junger Menschen hat die Nahrung einen ideologischen Charakter angenommen. In Britannien, dem Mutterland der modernen Vorstellung von der fleischfreien Ernährung, die 1847 mit der Gründung der Vegetarian Society und 1944 mit der Schaffung der ersten veganen Gesellschaft institutionellen Halt bekam, ist der Streit jüngst unter großem öffentlichen Interesse eskaliert. Seine Anlässe sind bezeichnend für die Neurosen an den Fronten der Kulturkriege unserer Zeit.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Es begann mit der Anfrage einer freischaffenden Journalistin an den Chefredakteur des Magazins der gehobenen Supermarktkette Waitrose. Diese hatte soeben verkündet, dass der Absatz ihrer veganen und vegetarischen Produkte im vergangenen Jahr um 85 Prozent gestiegen sei. Dadurch ermutigt, schlug die Journalistin dem Chefredakteur eine Serie über die vegane Küche vor. Zehn Minuten später erwiderte William Sitwell, wie von der Tarentel gestochen: „Wie wäre es mit einer Serie über die Tötung von Veganern, einer nach dem anderen? Wie man sie in die Falle lockt? Wie man sie richtig ins Verhör nimmt? Ihre Heuchelei bloßstellt? Sie mit Fleisch zwangsernährt? Sie zwingt, Steak zu essen und Rotwein zu trinken?“ Die Journalistin versuchte mit aufgesetzter Wohlgelauntheit von Sitwell zu erfahren, weshalb „die bloße Erwähnung von Veganismus einige Menschen so feindselig zu stimmen scheint“. Statt sich auf eine Diskussion einzulassen, witzelte Sitwell sarkastisch weiter. Das hat ihn nach zwanzig Jahren um die Chefredaktion gebracht.

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