https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/impfbetrueger-gibt-es-ueberall-faelle-aus-deutschland-italien-und-griechenland-17668627.html

Corona-Impfung : Was sich Impfbetrüger so denken

  • -Aktualisiert am

Sollte echt sein: Impfpass mit Eintragungen zur Corona-Impfung. Bild: Marie-Luise Kolb

Impfgegner scheuen weder Kosten noch Mühen, um an einen Impfnachweis zu kommen. Da gibt es die skurrilsten Fälle. In Griechenland scheinen Betrüger selbst hinters Licht geführt worden zu sein.

          2 Min.

          Immerhin sorgt die Corona-Pandemie neben den täglichen Zahlen der Neuinfektionen und Todesopfer zuverlässig auch für skurrile Nachrichten. Besonders amüsant war kürzlich der sich für supergewieft haltende Italiener, der weltweit Berühmtheit erlangte, weil er zu seiner ersten Impfung in einem Impf­zentrum in Biella mit einem von Silikon ummantelten Oberarm erschienen war. Er dachte wohl, dass medizinisches Personal echte und falsche Oberarme nicht auseinanderhalten könne.

          In Griechenland, wo Ungeimpfte verpflichtet sind, zwei Mal wöchentlich einen PCR-Test zu machen, blüht derweil das Bestechungsgeschäft. Sofern man einen willigen Arzt findet, kostet es um die vierhundert Euro, sich Kochsalzlösung spritzen zu lassen. Nur sollte man dabei auch Ärzte, was deren kriminelle Energie betrifft, nicht unterschätzen.

          Hunderttausend Impfgegner geimpft

          Im wirtschaftlich gebeutelten Griechenland jedenfalls nahmen etliche Ärzte das Geld der Impfgegner gern, spritzten aber, aus Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, oder aus Überzeugung, den echten Impfstoff. Auf diese Weise sollen etwa 100.000 Impfgegner geimpft worden ein, für die Gesellschaft eine Win-win-Situation.

          Verglichen mit der Kreativität unserer europäischen Freunde, sehen wir indes alt aus. Hierzulande setzen die Impfverweigerer am liebsten auf gefälschte Impfpässe wie der ehemalige Trainer von Werder Bremen. In der Wetterau soll der Betrug wegen eines Rechtschreibfehlers aufgeflogen sein: Das Wort Unterschrift war falsch geschrieben, mit ie.

          F.A.Z. Newsletter Coronavirus

          Täglich um 12.30 Uhr

          ANMELDEN

          Kurios ist, dass vor noch nicht allzu langer Zeit, als der Impfstoff gerade erst auf dem Markt gekommen war, die Impfschleicher die Wut ihrer geduldigen Mitbürger auf sich zogen, weil sie nicht warten wollten, bis sie an der Reihe waren. Man erinnere sich nur an jene als alte Männer verkleidete und hinter Masken und Plastikvisieren versteckten jungen Männer aus Mexiko-Stadt, die aufgrund ihrer jung klingenden Stimmen aufflogen. Oder an das reiche kanadische Ehepaar, das mit einem Privatjet nach Yukon reiste und sich dort Impfdosen der indigenen Bevölkerung erschlich.

          Eines aber haben die Impfschleicher von damals und die Impfstatusbetrüger von heute gemeinsam: Sie tappen in die Falle des Dunning-Kruger-Effekts. Die amerikanischen Psychologen David Dunning und Justin Kruger hatten in mehreren Studien festgestellt, dass Unwissenheit das Selbstvertrauen bisweilen stärker beflügelt als Wissen. Ende der neunziger Jahre baten sie Studierende der Cornell University unter anderem, ihre Fähigkeiten in logischem Denken zu beurteilen. Das Ergebnis: Wer sich als besonders kompetent einschätzte, schnitt in Tests schlechter ab als die Tiefstapler. Besonders gefährlich, so Dunning und Kruger, sei die Kombination aus Ignoranz und Inkompetenz. Wer damit gestraft ist, der greift beherzt zum Silikonarm.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Weitere Themen

          Skulpturen auf Bleistiftspitzen Video-Seite öffnen

          Kunstwerke in XXS : Skulpturen auf Bleistiftspitzen

          Der bosnische Künstler und Bildhauer Jasenko Đorđević schafft es, unglaublich winzige und dennoch detailreiche Skulpturen aus Bleistiftminen zu erschaffen. Seine Miniaturkunst zeigt er in Ausstellungen in ganz Europa.

          Schauspieler und Moderator Ernst Stankovski gestorben

          Mit 93 Jahren : Schauspieler und Moderator Ernst Stankovski gestorben

          Wenn es im ZDF hieß „Erkennen Sie die Melodie?“ wurde es dank der Moderation von Ernst Stankovski musikalisch unterhaltsam. Dabei gefiel ihm sein Part gar nicht übermäßig. Nun ist der Schauspieler im Alter von 93 Jahren gestorben.

          Topmeldungen