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Imperial War Museum : Eine Glanzleistung der Multimedialität

  • -Aktualisiert am

Royale Inspektion: Prinz William war Ehrengast der Neueröffnung. Hier begutachtet er mit fachmännischem Blick ein ausgestelltes Flugzeugmodell. Bild: AFP

Nach grundlegender Renovierung eröffnet das Londoner Imperial War Museum mit einer beeindruckenden Präsentation zur Geschichte des Ersten Weltkriegs. Es geht um Wahrheit und Gedächtnis.

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          Die Ausstellung über britische Kunst aus der Zeit des Ersten Weltkriegs heißt Truth and Memory“. Mit ihr präsentiert sich das nach grundlegender Renovierung gerade noch rechtzeitig für den großen heutigen Jahrestag wiedereröffnete Imperial War Museum in London.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Der erste Abschnitt, „Wahrheit“, zeigt, wie Künstler in offiziellem Auftrag ihre Fronterfahrung festgehalten haben, was freilich nicht immer im Sinne ihrer staatlichen Auftraggeber war, die ein die britische Nation einendes Bewusstsein des gemeinsamen Opfers auf den Schlachtfeldern und an der Heimatfront fördern wollten. Im zweiten Teil dieses seit fast hundert Jahren umfassendsten Rückblicks auf die Kunst im Krieg geht es dann um die Erinnerungskultur und den damaligen Versuch der Regierung, die kollektive Wahrnehmung durch ihre subventionierten Kunstprogramme zu formen.

          Ort gemeinsamer nostalgischer Erinnerungen

          Die von den Kuratoren vorgenommene Trennung zwischen dokumentierenden und erinnerungsbildenden Werken, also zwischen Wahrheit und Manipulation der öffentlichen Meinung, lässt sich allerdings hier schwer nachvollziehen, weil die Beweggründe für die 1916 im Rahmen der englischen Kriegspropaganda lancierte Initiative, Künstler als Augenzeugen an die Front zu schicken und sie später für die gewünschte Gedächtnisbildung einzuspannen, ebenso vielschichtig wie widersprüchlich sind. Fast jedes Bild könnte genauso gut in dem einen wie dem anderen Teil der Ausstellung hängen.

          Dieser Zwiespalt prägt auch das Imperial War Museum selbst, das noch im Krieg, 1917, als nationale Gedenkstätte konzipiert wurde – zu einem Zeitpunkt, als die Kampfmoral erschlafft war. 1920, zwei Jahre nach Kriegsende wurde es eröffnet.

          Sein erster Direktor hatte in der Gründungsphase die Streitkräfte zur Unterstützung dieses Plans aufgerufen, andernfalls würden künftige Historiker auf entsprechende deutsche Einrichtungen ausweichen müssen. Das Museum sollte ein Ort sein, den die Frontheimkehrer mit ihren Kameraden, Freunden oder Kindern besuchen könnten, um die Vergangenheit im Felde wiederaufleben zu lassen.

          Kein Anglozentrismus weit und breit

          Von dieser avisierten Mischung aus Patriotismus und Nostalgie versuchten die Redner bei der damaligen Eröffnungsfeier, die im Kristallpalast stattfand, jedoch Abstand zu nehmen. König Georg V. unterstrich seinerzeit, dass die neue Einrichtung weder „eine Sammlung von Trophäen“ darstelle, „die einem geschlagenen Feind abgenommen wurden, noch ein Symbol des Siegerstolzes“, sondern „die Verkörperung und das bleibende Denkmal gemeinsamer Anstrengungen und Opfer“.

          Dennoch haftete dem Imperial War Museum allein schon durch den anachronistischen Namen ein Beigeschmack jenes Triumphalismus an, zu dem die Briten im Zusammenhang mit den Weltkriegen neigen. Großgewordene Jungen, die ihren Söhnen und Enkeln die Glanztaten von tollkühnen Männern in ihren fliegenden, rollenden und segelnden Kisten vorführen wollten, pilgerten dorthin. Ein Kommentator witzelte noch vor fünfzehn Jahren anlässlich der Eröffnung eines neuen Atriums, in dem gewaltige Kampfmaschinen zur Schau gestellt wurden, es handelte sich dabei um das größte Jungenschlafzimmer Londons.

          In diesem Atrium hat das mit der Neugestaltung des Museums betraute Architekturbüro von Norman Foster gründlich aufgeräumt. Der Auftrag lautete, mehr Raum zu schaffen, ohne den Grundriss zu erweitern, und einen fließenden, sich über die Etagen erstreckenden chronologischen Parcours zu ermöglichen. Zu diesem Zweck haben Foster + Partners in der ersten Phase einer langfristigen Generalüberholung die Fenster zum Park freigelegt, über die Jahre hinzugefügte Elemente abgetragen und das frühere Erdgeschoss aus dem Atrium herausgebrochen. Im Ausgleich dazu ist unter dem Glasdach ein schwebendes Stockwerk eingezogen worden, das lichtempfindliche Objekte abschirmt und dem Raum seinen Treibhauscharakter nimmt. Die Dramatik dieses zentralen Saals wird durch mächtige Betonpfeiler gesteigert, die sich in umgekehrter V-Formation nach oben weiten. Mit ihrer Abschrägung beschwören sie die Lichtsäulen von Suchscheinwerfen, wie denn überhaupt die architektonische Sprache der betonten Grautöne und industriellen Materialien dem Kriegsthema angepasst ist. Die Stützen umrahmen Schlüsselobjekte, darunter eine Spitfire, eine V1-Flugbombe und eine V-Rakete, die früher wie in einem Abstellhof in willkürlichem Durcheinander präsentiert wurden. Jetzt stehen sie in bezugreichem Zusammenhang zu den das Atrium umlaufenden Galerien, wo die Objekte in einer schlüssigen Narration angeordnet sind. So kann der Besucher von der Pilotenkanzel eines Lancaster-Flugzeuges auf einen Bildschirm mit Filmaufnahmen der Bombenabwürfe schauen und im gleichen Blickfeld den mit dem Hakenkreuz versehenen Flügel einer Messerschmitt sowie ein zur Ortung von Feindflugzeugen eingesetztes Funkmessgerät vom Typ Würzburg A wahrnehmen, womit die Flächenbombardierung im Zweiten Weltkrieg kurz und bündig aus beiden Warten veranschaulicht wird. 

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