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Im Kino: „Operation Walküre“ : Verhaften Sie den üblichen Verdächtigen!

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Der Mann ist eben kein Idiot, sondern weiß ganz genau, was er kann und was er nicht kann - und der Umstand, dass er sich mit sechsundvierzig eine Rolle aussucht, die seine aufrechte Gestalt mit entsprechender Gesinnung legitimiert, beweist nur, dass er eine gute Rolle erkennt, wenn sie in seine Hände gerät. Stauffenberg ist ein Held, wie er im Buch steht - vor allem wenn man ihn vom ganzen sektiererischen Mumpitz des Vorbildes befreit -, und Bryan Singer ist ein Regisseur, der mit „Die üblichen Verdächtigen“ schon einmal bewiesen hat, dass er aus einem pfiffigen Buch einen pfiffigen Film machen kann. Auch wenn er sich seither mit Sachen wie „X-Men“ eher mäßig interessant weiterentwickelt hat. Aber diesmal ist das Buch wieder von Christopher McQuarrie, der für „The Usual Suspects“ einst einen Oscar gewann, und deshalb standen die Chancen bei „Valkyrie“ für einen pfiffigen Film auch ganz gut - bis alles anfing schiefzulaufen.

Zwei Stunden lang atemlos auf der Stuhlkante

Und nun? Überraschung! „Operation Walküre“ ist ein Film wie andere auch. Mit einem Tom Cruise, der genau das spielt, was er kann - einen Mann, der noch mit Augenklappe gut aussieht und weiß, dass er noch besser aussieht, wenn er der alten Regel des amerikanischen Kinos folgt, wonach ein Mann sich in erster Linie durch das definiert, was er tut, und nicht durch das, was er denkt. Und doch ist dies weniger ein Tom-Cruise-Film als ein Bryan-Singer- oder vielleicht noch mehr ein Christopher-McQuarrie-Film. Denn er schafft es, dass man zwei Stunden lang atemlos auf der Stuhlkante sitzt, obwohl man weiß, dass der Sache kein Erfolg beschieden war. „Operation Walküre“ ist - man glaubt es kaum - der spannendste Thriller der letzten Zeit. Graue Menschen stehen in grauem Dekor und reden viel - und doch ist das großes Kino.

Weil das keiner glauben wird und man ja eigentlich nie viel verraten darf, obwohl der Ausgang doch bekannt ist, muss man vielleicht doch die eine Szene schildern, in der die ganze Kunst des Drehbuchschreibens und Filmemachens, die hier am Werk ist, sichtbar wird wie nirgends anders. Immer wieder im Verlauf des Films sieht man einen Raum, an dem hinter ein paar Dutzend Fernschreibern Sekretärinnen sitzen, die kontrollieren, was an Nachrichten von der Front oder sonst wo hereinkommt. Wenn irgendwann mal etwas Erwähnenswertes dabei ist, muss die Sekretärin den Arm heben, dann kommt ihr Vorgesetzter, prüft die Sache und gibt sie gegebenenfalls weiter. Dieses Protokoll hat man als Zuschauer schnell begriffen.

Das ist Kino: ein Augenblick der reinen Utopie

Irgendwann hat also Stauffenberg sein Attentat verübt, und inmitten der Wirren des unklaren Ausgangs sieht man wieder den Fernschreiberraum mit den Damen, die alles prüfen, was hereinkommt. Man hört nur das Geratter der Telegrafen und sieht die Vorgänge nur als stumme Pantomime. Und plötzlich zeigt die Kamera eine von ihnen, deren Augen sich mit Tränen füllen, während sie liest, und die dann ungläubig, zögerlich langsam ihren Arm hebt. Ihr Vorgesetzter kommt zu ihr, liest, reagiert ähnlich ungläubig, und während er zögert, ob er die Sache wirklich weitergeben soll, sieht man wieder den ganzen Raum - in dem nach und nach eine nach der anderen ihren Arm hebt.

Und für einen Moment lang glaubt man wider besseres Wissen tatsächlich, dass der 20. Juli 1944 der Tag war, an dem sich der Lauf der Geschichte änderte. Und was für einen schöneren Grund gäbe es, einen Film über Claus Schenk von Stauffenberg zu drehen? Das ist Kino. Ein Augenblick der reinen Utopie - darin unterscheidet sich dieser Film dann eben doch von den üblichen Verdächtigen.

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