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Im Gespräch: Romy Haag : Wie lebt man als Legende, Frau Haag?

  • -Aktualisiert am

Du hast in großen New Yorker und Pariser Nachtclubs wie dem „Alcazar“ getanzt und warst berühmt für deine tollen Kostüme. Wo sind die hingekommen?

Alle verschenkt. An Kollegen, denen es nicht so gut ging.

Wie sieht deine neue Bühnengarderobe aus? Steckt die Diva jetzt im kleinen Schwarzen?

Na, Schatz, das „kleine“ Schwarze würde ich bei meiner Statur nicht sagen . . . Mein Stylist Frank Wilde wird mir für die Jubiläumskonzerte ein Überraschungskleid entwerfen. Keine Ahnung, wie es aussehen wird, nur schwarz wird es sein, aber sicher nicht so ätherisch wie bei Juliette Greco oder Ingrid Caven.

Ist die Zeit der großen Roben und der Revue-Prächtigkeit vorüber?

Schon längst! Wenn ich heute auf Empfängen junge Stars in Paillettenkleidchen sehe, sehen die wie Transen aus den Sechzigern und Siebzigern aus. Und dazu diese aufgespritzten Lippen und Titten . . . Da frage ich mich schon, wie die in meinem Alter aussehen werden. Solche Eingriffe kann ich mir nicht leisten, da hätte ich keinen Ausdruck auf der Bühne, weil die Mimik durch die Schönheitsoperationen erstarrt. Natürlich habe ich auch etwas an mir korrigiert, ein kleines Lifting an den Wangen, das war alles. Ehrlich. Natürlich habe ich versucht, mich gut zu erhalten. Aber ich mache keine Dummheiten.

Viele Künstler gerade aus der subkulturellen Unterhaltungsbranche verarmen, wenn sie älter werden. Denkst du an die Zukunft?

Natürlich, aber jetzt habe ich mir trotzdem gesagt, ich investiere mein Erspartes lieber in eine neue CD. Wer weiß, wie viel Zeit ich noch habe. Was ist dein Sternzeichen?

Steinbock.

Oh, meines auch! Und was sucht der Steinbock am meisten auf der Welt?

Sicherheit?

Geborgenheit! Der werden wir ewig hinterherrennen, und bekommen werden wir sie nie. Daran muss man sich gewöhnen und - Zukunft hin, Altersvorsorge her - weitermachen.

In den achtziger Jahren kannten mehr als achtzig Prozent der Deutschen Romy Haag als bekennende Transsexuelle.

Ich lebe aber schon immer als Frau! Es stört mich nicht, dass in Bezug auf mich das Thema Transsexualität betont wird, das hilft mir auch in mancher Hinsicht. Es sollte bloß nicht das einzige Thema sein. Ich habe jahrelang in allen Talkshows die gleichen Fragen gestellt bekommen. Meine Fans konnten sich schon selbst die Antworten geben.

Jedenfalls hast du dich 1984 einer operativen Geschlechtsanpassung unterzogen und giltst seitdem auch offiziell als Frau. Hast du diese Operation jemals bereut?

Nein, niemals! Ich war spät dran, aber das war mein Glück, früher waren solche Operationen riskant. Wenn es jedoch eine zuverlässige Operationsmöglichkeit gegeben hätte, als ich sechzehn Jahre alt war, hätte ich mich mit Sicherheit schon damals unters Messer gelegt. Ich wollte nie ein Mann sein, iiih . . .

Du warst von Anfang an heterosexuell und bist dementsprechende Beziehungen eingegangen?

Ne, ich hatte viele Phasen, auch lesbische. Aber mich interessiert der Mensch. Mir ist ein guter Charakter wichtiger als alles andere, ich bin very old-sexual. Trotzdem machen mich Männer, Frauen, Transsexuelle an.

Nimmst du noch Hormone?

Ja, das muss ich mein Leben lang tun, aber ganz wenig. Nur wenn ich daran denke und Lust habe. Es gibt Zeiten, da nehme ich nichts. Das ist okay. Ich brauche die Hormone, weil es sonst für meine Knochen zu gefährlich ist.

Weil du an Osteoporose erkranken könntest - eine richtige Frauengeschichte also?

Ja. Puh! Worte sind das . . .

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