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Im Gespräch: Roland Koch : Was haben Sie gegen Nikolaus Brender?

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Ich kenne niemanden, der sich in dieser Sache im Auftrag von jemand anders tätig fühlt. Wir sind mitten in einem Entscheidungsprozess. Da helfen weder Ratschläge von außen noch irgendwelche Unterschriftenlisten, wie sie Herr Kleber jetzt organisiert hat. Herr Kleber hat sich für eine deutliche Verbesserung seiner materiellen Situation aus der redaktionellen Verantwortung für das ZDF zurückgezogen und ist heute nur noch freier Mitarbeiter. Das respektiere ich. Nur ist dann die Frage der redaktionellen Unabhängigkeit nicht mehr primär bei ihm verortet. Man kann nicht erwarten, dass Mitglieder des Verwaltungsrates tatenlos zusehen, wie ihnen Motive unterstellt werden, die nicht unserer realen Arbeit entsprechen.

Den offenen Brief hat nicht nur Kleber unterschrieben, sondern die ganze Leitungshierarchie des ZDF, die ihre Sorge „um die Glaubwürdigkeit der journalistischen Leistungen im ZDF“ erklärt und den politischen Druck auf den Intendanten beklagt.

Ich glaube, keiner der Beteiligten hat sich durch diesen Brief einen Gefallen getan. Ich weiß aber sehr konkret, dass ihn auch Menschen nur deshalb unterschrieben haben, weil sie sich dem Solidaritätsdruck gebeugt haben.

Sehen Sie noch eine Chance für Brender als zukünftigen Chefredakteur?

Ich schließe eine Entscheidung, die am Ende nicht zu einem praktisch einstimmigen Beschluss des Verwaltungsrates führt, aus. Aber die Pflicht des Einvernehmens kann nicht bedeuten, dass immer alles so bleibt, wie es ist. Es ist nichts Unanständiges, wenn der Verwaltungsrat Personalfragen stellt, sondern er tut genau das, wozu er laut Staatsvertrag berufen ist.

Aber das Ergebnis ist noch offen?

Es gibt diese Illusion von der Fraktionenbildung in solchen Gremien in öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ...

Die sind ja keine Illusion. Das nennt sich beim ZDF „Freundeskreis“.

Ja, aber die Diskussion findet ja nicht nur in Blöcken statt. Ich bin der Auffassung, es wäre für das ZDF besser, wenn es einen Neuanfang gäbe, und sehe, dass es dafür auch Unterstützung gibt. Der Intendant sieht es anders, und nun gibt es eine Diskussion, die wird am 27. März mit größter Wahrscheinlichkeit zu einem Ende geführt.

Sie haben noch keinen Wunschkandidaten?

Es wird auch keinen Wunschkandidaten von mir oder der CDU-Seite geben.

Und die beste Art, die Leitungspositionen des ZDF zu besetzen, ist eine, indem man sie nach Parteizugehörigkeit oder vermuteter Parteinähe durchdekliniert?

Öffentlich-rechtliche Sender stehen in der Verantwortung der Gesellschaft und der Politik und werden sich davon auch nicht völlig lösen können. Das ist ein Teil von Demokratie. Politiker sind nicht eine Gefahr für die Demokratie, sondern ihre Grundlage. Warum akzeptiert man nicht, dass es eine Frage des Prozesses und des Ringens miteinander ist, am Ende das Beste für alle zu erreichen?

Und Sie versuchen, das Beste für alle zu erreichen? Nicht das Beste für die Parteien?

Wir Politiker müssen wahrscheinlich damit leben, dass uns das dauernd unterstellt wird. Wir werden aber, wenn wir unserer Aufgabe gerecht werden wollen, im Zweifel mit dieser Unterstellung leben müssen.

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