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Im Gespräch: Mansoura Ez Eldin : Eine Revolution zur Rettung der Revolution

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Mansoura Ez Eldin engagiert sich seit langem für die Opposition Bild: Wonge Bergmann

Die Macht der Straße ist nicht kontrollierbar: Die Schriftstellerin Mansoura Ez Eldin über die Erleichterung der Ägypter nach Mursis Sturz und den plötzlichen Sinneswandel der Landbevölkerung.

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          Frau Ez Eldin, vor zehn Tagen ist Präsident Mursi gestürzt worden, die Zusammenstöße zwischen seinen Anhängern und dem Militär dauern an. Haben Sie den Eindruck, dass die Ägypter noch immer erleichtert über das Ende seiner Präsidentschaft sind?

          Ja, die meisten sogar noch mehr als kurz nach seinem Sturz. Einige von ihnen sind Revolutionäre, die die Revolution fortsetzen und einen dritten Weg jenseits des Militärs und der Muslimbrüder finden möchten. Andere wiederum stehen der Armee nahe. Wir suchen einfach gerade nach Stabilität. Wir versuchen das Land vor terroristischen Attacken zu schützen. Für beide Seiten aber gehört das Jahr, in dem Mursi an der Macht war, zu einer schmutzigen Vergangenheit. Natürlich ist niemand glücklich über die Zusammenstöße, die wir jetzt erleben, aber alle wissen, dass sie ein Erbe von Mursis Herrschaft sind.

          Inwiefern?

          Die Kämpfe begannen schon am 22. November 2012, als er sein Dekret erließ (mit dem er sich und seine Entscheidungen faktisch über das Recht stellte, Anm. d. Red.), und sie sind jetzt heftiger geworden, weil die Muslimbrüder versuchen, sich an denen zu rächen, die Mursi aus dem Amt gedrängt haben. Viele Führer der Muslimbrüder haben in den Reden, die sie in Nasr City hielten, zu Gewalt aufgerufen, und einer von ihnen, Muhammed El Beltagy, billigte indirekt sogar die Terrorattacken auf dem Sinai.

          Es gibt Gerüchte, nach denen Mursis Sturz von bestimmten Kräften in der Verwaltung zumindest beschleunigt wurde, indem sie gleichzeitig dafür sorgten, dass das Benzin knapp wurde und der Strom ausfiel. Sprechen die Menschen darüber? Und was schließen sie daraus?

          Mursis Sturz war in erster Linie das Ergebnis des Protestes von Millionen Ägyptern, die nach dem 22. November 2012, nach den Ereignissen im Dezember, als friedliche Demonstranten vor dem Präsidentenpalast öffentlich gefoltert wurden, und nach vielen weiteren diktatorischen Handlungen auf die Straße gingen - und zwar so lange, bis an diesen Protesten am 30. Juni schließlich dreißig Millionen Menschen teilnahmen. Deswegen kann ich auch den Verschwörungstheorien über Mursis Sturz nichts abgewinnen. Ich weiß, dass es viele Leute gab, die seinen Sturz wollten und vielleicht auch hart daran gearbeitet haben, aber ich glaube, dass er selbst sein größter Feind war. Im Übrigen sind die Probleme bei der Benzinversorgung und der Elektrizität auch jetzt noch nicht vollständig behoben.

          An den Protesten hatten sich tatsächlich noch mehr Menschen beteiligt als 2011. Die Bewegung schien extrem schnell zu wachsen. Haben Sie erwartet, dass sie solche Ausmaße annehmen würde?

          Als die „Tamarrud-Bewegung“ Unterschriften gegen Mursi zu sammeln begann, um ihn zu vorgezogenen Präsidentschaftswahlen zu zwingen, hielten viele - darunter auch ich - diese Bewegung für traumtänzerisch. Ich habe zwar unterschrieben, aber niemand konnte sich vorstellen, dass die Bewegung in nur anderthalb Monaten mehr als 22 Millionen Unterschriften sammeln könnte. Das war ein starkes Signal an die Opposition, dass sie nicht allein war und dass Millionen von Ägyptern die Verschlechterung der Lage nicht weiter hinnehmen wollen.

          Wann war das genau?

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