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Im Gespräch: der Primatenforscher Volker Sommer : Primaten wie wir

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Volker Sommer, Anthropologe und Primatologe, Professor für evolutionäre Anthropologie am University College London Bild: V. Sommer

Sind Versuche, bei denen die Forschung in den Körper des Versuchsobjekt eindringt, an Affen vertretbar? Der Anthropologe und Primatologe Volker Sommer erläutert im Gespräch mit FAZ.NET, warum er für ein grundsätzliches Verbot solcher Versuche eintritt.

          Sind invasive Versuche an Affen vertretbar? Der Anthropologe und Primatologe Volker Sommer erläutert im Gespräch mit FAZ.NET, warum er für ein grundsätzliche Verbot solcher Versuche eintritt.

          In der Bremer Debatte geht es um Versuche an Affen (Makaken), bei denen u.a. invasive Techniken zum Einsatz kommen. Die Gegner sehen darin Quälerei von Tieren und bezweifeln überdies die wissenschaftliche Notwendigkeit solcher Experimente? Was halten Sie von solchen Einwänden?

          Zweifellos gäbe es noch eine ganze Menge zu lernen durch invasive und schmerzhafte Versuche an Primaten - etwa im Bereich der Neurobiologie oder Immunologie. Doch das rechtfertigt solche Eingriffe keineswegs. Denn was potentiell nützlich ist, ist nicht automatisch ethisch unbedenklich.

          Halten Sie nun Eingriffe an Makaken-Affen für vertretbar?

          Ich erforsche Affen und Menschenaffen in der Wildnis - und kann mich deshalb leicht aus der Affäre ziehen, weil meine Wissenschaft ohne harte Eingriffe auskommt. Aber ob ich meine, dass andere invasive Laborversuche durchführen sollten? Meine Antwort ist: Nein.

          Sollten also die Bremer Versuche verboten werden?

          Hier ist die Politik gefragt. Bisher sind solche Versuche erlaubt, und wer sie durchführt, verhält sich legal. Deshalb brauchen wir klare Änderungen der Gesetze. Und da würde ich mich für ein grundsätzliches Verbot invasiver Versuche an Primaten aussprechen - alles also, was auf Schmerz oder körperliche Schädigung hinausläuft.

          Würden Sie so weit gehen, den Makaken-Affen Personenstatus zusprechen zu wollen - was Sie ja, im Sinne des „Great Ape Projekt“, für Menschenaffen fordern?

          Nein. Die Initiative der Philosophen Peter Singer und Paola Cavalieri macht sich dafür stark, nur unsere allernächsten Verwandten - Orang-utans, Gorillas, Bonobos, Schimpansen - in die „community of equals“ aufzunehmen. Diese Gleichberechtigung würde ihnen gesetzlich ein Recht auf Leben und Freiheit von Folter zusprechen. Unter anderem deshalb, weil ihre mentale Welt der unseren mehr ähneln dürfte, als der von anderen Affen. Menschenaffen haben vermutlich ein Selbstkonzept, können sich in andere Wesen hineinversetzen und in die Zukunft hinein denken. Ihre Leidensfähigkeit dürfte deshalb der von Menschen nicht nachstehen. Solche Qualitäten machen sie zu Personen.

          Damit wird die Grenze zwischen Menschen und Tieren unscharf . . .

          Genau. Für mich ist eine solche Grenze ohnehin nicht von Gott, der Natur oder irgendeiner mythischen Instanz auf ewig festgeschrieben. Als Darwiniker denke ich in fließenden Übergängen. Wo es geht, zoomorphisiere ich deshalb Menschen und anthropomorphisiere andere Tiere. Zu vertierlichen und zu vermenschlichen sind gute Denkübungen für Evolutionsbiologen.

          Und warum gilt es in Ihren Augen, die Grenzziehung zwischen Tier und Mensch neu zu überdenken?

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