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Im Gespräch: Daniel Barenboim und René Pape : Wotan und sein Pate

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Daniel Barenboim Bild: dpa

Der Sänger René Pape hat viel vom Regisseur Daniel Barenboim gelernt. Ein Gespräch über Richard Wagner, sahniges Singen, geheimes Dirigieren in Bayreuth und öffentliches Rauchen.

          Heute abend gibt es in Berlin im Schillertheater Richard Wagners „Walküre“. Daniel Barenboim (68) dirigiert, René Pape (46) singt zum ersten Mal den Wotan. Die beiden haben sich vor zwanzig Jahren kennen gelernt, als Barenboim die Berliner Lindenoper übernahm. Seit neuestem sind sie auch noch bei der gleichen Record Company. Ihr erstes gemeinsames Album bei der Detusche Grammophon ist Richard Wagner gewidmet, alle großen Bass-Bariton-Partien kommen vor: Wotan, Sachs, Wolfram, Gurnemanz….

          Wieso haben Sie ausgerechnet das Nachtwächter-Lied aus den „Meistersingern“ aufgenommen? Die kürzeste Wagner-Rolle? Zweieinhalb Minuten?

          René Pape: Ich weiß, so was singt sonst niemand auf Platte! Aber ich musste das tun, zur Erinnerung. Der Nachtwächter war meine allererste Wagnerpartie…

          „Der Papst bin ich schon mal selber”: der Opernsänger René Pape

          … noch ohne Barenboim. Als der nach der Wende die Lindenoper übernahm, vor zwanzig Jahren, waren Sie bereits Mitglied im Ensemble. Ein sehr junger Bariton aus Dresden. Was ist Barenboim für Sie heute? Immer noch ein Art Papa? Ein Pate? Ein Papst? Oder eher ein guter alter Freund?

          Daniel Barenboim: Soll ich jetzt mal so lange rausgehen?

          Pape: Also, der Papst bin ich schon mal selber, wie der Name sagt. Aber auf jeden Fall ist Daniel eine Autorität für mich. Er ist derjenige, der mich am längsten in meiner Laufbahn begleitet hat. Er hat mir immer wieder geholfen, über viele Klippen weg. Hat mir gezeigt, wie es nicht geht oder wie es gehen könnte. Dabei ist eine Freundschaft entstanden, die mit Worten gar nicht zu beschreiben ist.

          Und wie arbeiten Sie zusammen? Geht das auch ohne Worte?


          Daniel Barenboim: „Arbeit“ ist dafür das falsche Wort. Wenn Menschen, die die technischen und musikalischen Fähigkeiten dazu haben, gemeinsam Musik machen, dann müssen sie vor allem lernen, wie der andere denkt. René muss verstehen, wie ich denke und ich muss verstehen, wie er denkt. Und erst in dem Moment, wo wir beide genau das gleiche denken, kann Musik entstehen. So ist es nicht nur bei uns beiden, das gleiche gilt auch für ganze Orchester. Wenn wir die „Walküre“ am Sonntag Nachmittag anfangen, das verspreche ich Ihnen, denkt jeder Musiker in der Kapelle genau das Gleiche wie ich. Und das bleibt so für viereinhalb oder fünf Stunden. Dann wird es unwichtig sein, ob ein Fehler passiert. Ein Kiekser hier, eine Unsauberkeit da, das spielt alles keine Rolle mehr. Nur, wenn nicht alle mitdenken, dann wird es falsch, auch wenn es vielleicht fehlerlos sein mag. Es klingt dann nicht mehr überzeugend.

          Dieses symbiotische Verhältnis gab es nicht von Anfang an. Es ist das Ergebnis von zwanzig Jahren Arbeit...

          René Pape: Ja, aber Daniel ist ja nicht 1991 zu uns gekommen, um irgend ein schlechtes Stadtorchester zu übernehmen. Es wurde auch vorher schon gute Musik gemacht. Was seither passiert ist mit uns, das ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie die Staatsoper von den Anfängen an bis heute immer wieder mal erlebt hat. Ein Riesenbogen, der hier und heute nicht aufhört, sondern weiter gehen wird.

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