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Im Deutschen Theater : Schnitzlers Sofa?

  • -Aktualisiert am

Wieso machen die in Berlin aus Arthur Schnitzlers „Das weite Land“ ein weltlos dümmliches Fernsehseifenopernspiel? Fragen an einen Abend im Deutschen Theater.

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          Abgesehen davon, dass – bis auf den großen Ulrich Matthes, der ja nun wirklich jedwedes Drama schon solistisch im kleinsten Augenaufschlag hat (hier spielt er eine Nebenrolle, einen Arzt) – auf der Bühne des Berliner Deutschen Theaters an diesem Abend abgrundmittelmäßige Schauspieler sich abmühen; abgesehen auch davon, dass offenbar keiner das Stück gelesen hat, das sie da spielen und für das sie keine Sprache haben – wieso nehmen diese Jeans-, T-Shirt- und Turnschuh-Typen, wenn sie nach Amerika wollen, nicht den Flieger? Wieso das Schiff (Norddeutscher Lloyd!)? Und wieso duellieren sie sich wie anno dunnemals? Und stehen sekundantenmäßig und ehrenbeleidigt „zur Verfügung“?

          Müsste da heute, wo dies offenbar kostümmäßig spielen soll, nicht sofort die Theater-Anachronismus-Polizei einschreiten, die sowieso der ganzen Aufführung gutgetan hätte? Und wieso klettern sie unaufhörlich (am liebsten in mikroportverstärkten Schlüpfern) auf einem Riesengebirge von bühnenhoch aufgetürmten Sofas herum, von denen sie eines unaufhörlich an der Rampe auf und ab schieben? Symbol der hilflosen Verstiegenheit einer vorübergehenden jungen Mode-Regisseurin (deren Namen hier nichts zur Sache tut)? Oder doch nur Sponsoring (Möbelhaus Schmock)?

          Und wenn Arthur Schnitzler in seinem „Weiten Land“ von 1911 eine Gesellschaft zwischen sinnlosem Sterben, lustleerem Lieben und seelenlosem Leben in einem wunderleicht durchdringenden Gescheitheitsdrama ins gespenstisch Haltlose treiben lässt (ein großes bürgerliches Welttrauerspiel) – wieso machen die in Berlin mit ihrem „Okay!“-Gelalle und ihrem Duzfuß-Schmusi-Kusi-Gehampel inklusive Ehegatten-Petting (sie Hystero-Zicke, er Macho-Glatzkopf) ein mieses, aufgehampelt kleines, weltlos dümmliches Fernsehseifenopernspiel daraus: Eheburschi geht fremd, nietet aber – wie du mir nicht, so ich aber dir! – das Fremdgeh-Objekt seiner Ehemausi, einen Marinefähnrich, um, weil er „nicht der Hopf sein will“? Als ob Schnitzlers Hopfe und Fähnriche heute um jede Ecke herum zu haben wären? Vielleicht deshalb, weil die Unesco gerade die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft ins Weltkulturerbe aufgenommen hat? Und man denen mal eben demonstrieren wollte, wie blödsinnig das ist?

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