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Corona, Hunde und Loriot : Hundelatein

  • -Aktualisiert am

Loriot galt als großer Bewunderer des Mopses. Würde er sich heutzutage vielleicht für eine andere Rasse entscheiden? Bild: obs

Hundehalter sind, möchte man meinen, eine eigene Spezies. Ihre Art fällt in Corona-Zeiten besonders auf. Manche sind zum Fürchten. Was sie und ihre Tiere auszeichnet, wusste schon Loriot.

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          Während der Pandemiezeit haben sich einige Menschen einen Hund zugelegt. Nicht nur wegen der notwendigen Nähe eines Lebewesens, sondern weil der Hund das Privileg mit sich brachte, Tag und Nacht Gassi gehen zu können. Wären allerdings alle die neuen und alten Hundehalter Kynologen, so ginge es uns, den hundelosen und hundeängstlichen Spaziergängern, besser.

          Wir könnten entspannt unsere Runden drehen, ohne plötzlich einem zähnefletschenden Kampfhund gegenüberzustehen. Der hundelose Nicht-Kynologe wird auf diese Weise zum Kühnologen, weil er sich Gedanken macht über Züchter und Züchtungen, über Herrchen und Frauchen und, zwangsläufig, kühne Theorien aufstellt, zum Beispiel welche Kreuzungen möglicherweise die für ihn angenehmsten Exemplare hervorbringen könnten.

          Als ein sehr kühner Vordenker dieser wissenschaftlichen Disziplin kann übrigens Vicco von Bülow, alias Loriot, angesehen werden. Seine vorbildhafte entwicklungsgeschichtliche Darstellung des Mopses, der, wie Loriot überzeugend darzustellen wusste, in früheren Zeiten einmal ein Elch war, gehört zu den grundlegenden Werken der kühnologischen Literatur.

          Doch als seriöser Kühnologe fragt man sich natürlich auch, was aus dem klugen grauen Wolf geworden ist, der damals dummerweise die Großmutter verschluckt hat. Wie immer sind es diese kleinen Dummheiten, die fatale Folgen haben, denn nun läuft der Wolf als ein in über 300 Rassen verzüchtetes Hundetier herum, das den herrschsüchtigen Menschen als Domestik ausgeliefert ist.

          Das Loriot-Sofa mit Mops aus Bronze vor dem Haupteingang des Funkhauses von Radio Bremen. Es erinnert an die langjährige Zusammenarbeit zwischen Vicco von Bülow und dem Sender.
          Das Loriot-Sofa mit Mops aus Bronze vor dem Haupteingang des Funkhauses von Radio Bremen. Es erinnert an die langjährige Zusammenarbeit zwischen Vicco von Bülow und dem Sender. : Bild: dpa

          Nein, es ist nicht die natürliche Auslese und die notwendige Anpassung, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist. Es sind die Herrchen und Frauchen, die sich züchten, was ihnen auf den Schoß passt. Es ist auffällig, dass man mit gewissen Hundehaltern nicht reden kann. Man sagt zum Beispiel zu ihnen: Nehmen Sie bitte Ihren Hund an die Leine, ich habe Angst vor Hunden. Entweder lachen sie darüber, oder sie stellen sich taub. Möglich ist auch, dass sie antworten: Der tut nichts. Oder: Der beißt nur Briefträger.

          Vielleicht ist es eine sehr kühne Theorie – wozu sonst ist die Kühnologie da –, dass die Welt besser aussähe, würden die Hundehalter ganz verstummen und das Sprechen ihren Hunde überlassen. Natürlich sollten die Hunde nicht das Kauderwelsch nachplappern, mit dem sie von ihren Herrchen und Frauchen traktiert werden, sie müssten einfach nur über ein Minimum an Artikulationsfähigkeit verfügen.

          Das hat Loriot ja mit dem sprechenden Bello wunderbar vorgeführt. Man könnte, man sollte die menschliche Sprechfähigkeit auf den Hund übertragen. Die meisten Hunde sind ihren Herrchen und Frauchen ja an Intelligenz, Gutmütigkeit, Treue, Temperament und so weiter überlegen, und so scheint es nicht abwegig, dass mit ihnen, könnten sie ihre Befindlichkeiten verbalisieren, eine sinnvollere Kommunikation möglich wäre als mit den sie drangsalierenden Zweibeinern.

          Was aber machen wir dann mit den sprachlosen Herrchen und Frauchen, die knurrend und heiser bellend durch die Gegend streunten? Eifersüchtig schauten sie auf ihre freundlichen, intelligent parlierenden Hunde und verstünden nicht, was diese mit den Menschen zu reden haben. Es könnte auch sein, dass die nun allein gelassenen Herrchen und Frauchen beißwütig und blutrünstig würden (was sie ja letztlich eh schon immer waren). Ja, es ließen sich viele weitere kühne Theorien aufstellen, aber der größte Kühnologe, Herr von Bülow, weilt leider nicht mehr unter uns. Könnten wir ihn doch wiedersehen, mit oder ohne Bello.

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