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Humboldt-Universität : Aufklärungsbedarf in Sachen Biologie

Protest gegen den Vortrag von Marie-Luise Vollbrecht vor dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität Bild: dpa

Der abgesagte Vortrag zu Geschlecht und Biologie soll nachgeholt werden - mit prominenter Beteiligung. Die Humboldt Universität setzt unterdessen ihren Schlingerkurs fort.

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          Vom Streisand-Effekt spricht man, wenn erst ein missglückter Tabuisierungsversuch ein Thema populär macht. Der an der Humboldt-Universität abgesagte Vortrag der Biologie-Doktorandin Marie-Luise Vollbrecht soll nun am 14. Juli dort nachgeholt werden. Im An­schluss darf die Biologie-Doktorandin mit Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) und der Berliner Wissenschaftssenatorin Ulrike Gote (Grüne) über Wissenschaftsfreiheit diskutieren.

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

          Vollbrechts Vortrag, der begründet, warum die Biologie von zwei Geschlechtern ausgeht, hatte am Wochenende während der „Langen Nacht der Wissenschaft“ stattfinden sollen und war wegen Sicherheitsbedenken abgesagt worden. Der Ar­beitskreis kritischer Jurist*innen hatte zuvor eine Protestaktion wegen angeblicher Transfeindlichkeit der Rednerin angekündigt. Nach Darstellung der Universität hatte die Studentenvertretung danach die gesamte Studentenschaft zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen. Auch eine Gegenaktion von Unterstützerinnen Vollbrechts sei angekündigt gewesen. Die Universität sagte die Veranstaltung daraufhin ab, ohne sich inhaltlich festzulegen. Später ließ eine Sprecherin verlauten, ge­wis­se Meinungen, die Marie-Louise Vollbrecht in einem „Welt“-Artikel geäußert hatte, stünden nicht im Einklang mit dem Leitbild der Universität. Welche das waren und warum dies so sein sollte, wurde nicht begründet.

          Der Schlingerkurs der Humboldt setzte sich am Montag fort. Ein Sprecher sagte der Deutschen Presseagentur nun wiederum, man habe allein nach Sicherheitskriterien entschieden, was in deutlichem Widerspruch zur vorigen Erklärung stand. Der CDU-Abgeordnete Adrian Grasse stellte dem Berliner Senat derweil eine Kleine Anfrage, die nachhakt, ob die behauptete Gefahr auch wirklich bestand und die Berliner Hochschulen noch in der Lage seien, die Wissenschaftsfreiheit zu schützen. Aufgegeben hat die Universität ihren Plan, Vollbrecht bei dem Nachholtermin mit Transgruppen und Mitgliedern der Studentenvertretung zu konfrontieren, also ausgerechnet jenem Gremium, das ihre moralische und wissenschaftliche Integrität an­gezweifelt hatte.

          „Biologie auf Grundstufenniveau“

          Der „Arbeitskreis kritischer Jurist*innen“ setzt unterdessen seine Schmutzkampagne fort. In einer Stellungnahme begrüßt er die Absage und wirft Vollbrecht ein weiteres Mal argumentfrei Transfeindlichkeit und Unwissenschaftlichkeit vor. In dem Vortrag, den sie am Sonntag spontan auf Youtube hielt, legt Vollbrecht lediglich dar, warum das biologische Geschlecht nicht im sozialwissenschaftlichen Gender-Begriff aufgeht.

          Verschiedene Medienberichte drücken ihre Verwunderung darüber aus, dass das in dem Vortrag vermittelte biologische Grundwissen überhaupt zum öffentlichen Streitgegenstand werden konnte. Der Bayerische Rundfunk spricht von „Biologie auf Grundstufenniveau“. Die biologische Dimension des Geschlechts wird jedoch sogar auf höchster politischer Ebene, in dem von der Ampel-Regierung kürzlich vorlegten Entwurf eines Selbstbestimmungsgesetzes, zum Verschwinden gebracht. Die Geschlechterverwirrung reicht bis in die Bundesregierung. Vielleicht wird Marie-Luise Vollbrecht ja auch dar­über mit der Bundesforschungsministerin sprechen.

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