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Humboldt-Forum : Berlin denkt um

  • -Aktualisiert am

Für das Berliner Humboldt-Forum gibt es neue Pläne, die alte Planungslücken offenbaren. Die Stadt sollte sich endlich gezielt mit ihnen auseinandersetzen.

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          Die Besucher der Berliner Zentral- und Landesbibliothek, welche eine Zweigstelle im ersten Stock des Humboldtforums auf dem Schlossplatz bekommen soll, können dort neben einem bunten Strauß von „spielerischen Edutainment-Formen“, wie es in dem entsprechenden Konzept heißt, auch ein „zeitgemäßes Bibliotheksangebot“ nutzen, zu dem allerdings kaum Bücher gehören. Diese müssen vielmehr erst bestellt werden, und zwar im fünfzig Meter Luftlinie entfernten Hauptstandort der Landesbibliothek, aus dessen Magazinen sie dann durch einen unterirdischen Gang ins Haus der Weltkulturen hinter den Barockfassaden transportiert werden.

          Man muss sich die Absurdität dieser Planung vor Augen führen, wenn man begreifen will, worum es in der Debatte eigentlich geht, die jetzt um einen Vorschlag des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller zum Humboldtforum entbrannt ist. Müller möchte die Bibliothek samt Edutainment-Anhängseln daraus entfernen und an ihrer Stelle ein Berlin-Museum einrichten, das die Geschichte der Hauptstadt anhand von Leitthemen wie Aufklärung, Industrialisierung und Massenkultur erzählt. Ob das der Weisheit letzter Schluss oder nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer noch besseren Lösung ist, muss sich noch zeigen.

          Aber es hat etwas Befreiendes, wenn eine planerische Sackgasse, die für fast alle Beteiligten längst offensichtlich war, als solche benannt wird – so wie es etwas Deprimierendes hat, dass gerade diejenigen, die über Müllers Vorstoß erleichtert sein sollten, nun wieder auf die altbekannte abwiegelnde Art reagieren. Die Stockwerksplanung sei schon fertig, erklärt der Leiter der Stiftung „Berliner Schloss – Humboldtforum“, Manfred Rettig, ein Umbau käme den Bund als Bauherrn teuer zu stehen. Dabei sieht der Plan für den Bibliothekstrakt vor allem mehrere große Lese- und Mediensäle vor, die außer für Tische, Stühle und Bücherregale ebenso gut als Ausstellungsfläche genutzt werden könnten. Und auch sonst ist im ersten Obergeschoss des Humboldtforums konzeptionell noch so vieles im Unklaren, dass ein Pochen auf festgelegte Raumgrößen und Zwischendecken geradezu widersinnig wirkt. Man sollte den Vorschlag von Michael Müller deshalb nicht abblocken, sondern aufgreifen. Und weiterdenken.
           

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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