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Huffingtons Mission : Der Schlaf der Gehetzten

  • -Aktualisiert am

Arbeitswahn war gestern: Arianna Huffington hat eine Mission. Bild: dpa

Schon Heidegger schlief schlecht und brütete dabei abstruse Gedanken aus. Das könnte auch dem Silicon Valley zum Verhängnis werden.

          Martin Heidegger legte Abend für Abend, bevor er in schwarzwalddunkler Nacht die Decke über das Kinn zog, ein kleines Wachstuch-Heftlein neben sein Bett. Rief das nimmermüde Seyn seinen Namen, erhob er sich jäh und notierte, halb schlafend, doch säuberlich, nachtschwarze Gedanken auf’s weiße Papier. Die dreitausend Seiten dunkler Prosa, die ihm der Mitternachts-Dämon einflüsterte (Sloterdijk: Es schrieb aus ihm! Er telefonierte mit dem Seyn!), bringen Heidegger heute um seinen Ruf.

          Schuld sind die Vereinigten Staaten. Denn schwarzwaldtiefer Amerika-Hass drang aus dem Hörer des Seyns. Die Taktgeber-Nation des beschleunigten Lebens hatte zunächst sich selbst und schließlich auch Heidegger um den Schlaf gebracht. Der Denker der technischen Kehre ahnte noch nicht, dass die Vereinigten Staaten einmal an sich selbst vorbeiziehen würden. Hatten sie mit der Erfindung des Smartphones die kommunikative Drehzahl noch einmal erhöht, so sind sie heute ihrer müde. In Silicon Valley galt es lange als schick, zerknautscht und verschlafen am Desktop zu sitzen.

          Inzwischen weiß man dank Wissenschaft: Wer nicht ausreichend schläft, trifft unüberlegte Entscheidungen. So kamen Twitter, Google und Facebook zustande. Arianna Huffington nimmt sich das neue Wissen besonders zu Herzen. Die Diskursbeschleunigerin vergangener Tage zieht heute als Botschafterin eines gesunden, mindestens sieben Stunden langen Schlafs durch die Talkshows. Ob den auch die Gratis-Blogger der „Huffington Post“ beanspruchen dürfen, ist nicht gesichert. Mögen sie ihre Arbeit schneller verrichten. Wer seine Schäfchen im Trockenen hat, schläft gerne etwas länger.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

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