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Besuch bei der Nasa : Houston, wir haben die Lösung!

  • -Aktualisiert am

Das Zentrum der Nasa hat den Charme der sechziger Jahre, und auch die Zukunftsvisionen sehen noch aus wie von gestern. Doch das täuscht. Bild: Nina Rehfeld

Amerikas Raumfahrtbehörde Nasa gilt ohne Mondfahrt und Space Shuttle als Langweiler der Nation. Dabei bereitet sie akribisch die Reise zum Mars vor und pflegt eine überaus fruchtbare Kooperation – mit Hollywood.

          Es ist ganz schon ungemütlich auf dem Mars. Fiepend und surrend ächzt unser Rover mit den drei frei drehbaren Achsen und dem hübschen Namen MMSEV über kantiges Vulkangestein, manche Brocken so groß wie Medizinbälle. Er neigt sich bedenklich zur Seite, als es einen steilen Hügel hinabgeht, und gleich darauf rumpeln wir zuckend über tiefe Bodenwellen. Man möchte glatt durch die Schleuse am hinteren Ende des Gefährts – es hat die Geräumigkeit eines Kleinbusses – und in den dort hängenden Raumanzug schlüpfen, um die Reise zu Fuß fortzusetzen. Aber da lenkt der Robotics-Ingenieur Lucien Junkin den Rover auch schon wieder an die Rampe am „Mars Yard“, einem Versuchsgelände in Steinwurfweite des Johnson Space Center in Houston, auf dem die Nasa allerlei Fahrzeuge für den Mars testet.

          Wie ein seltsamer Hybrid aus Sightseeing-Hubschrauber, Jeep und Kleintransporter wirkt das MMSEV (für Multi-Mission Space Exploration Vehicle, etwa: Weltraumerkundungsgefährt für Mehrfachmissionen) von außen, und auch wenn das drei Tonnen schwere Ungetüm mit einer Höchstgeschwindigkeit von zehn Stundenkilometern erstaunlich wendig ist – so cool wie der schnittige Rover aus Ridley Scotts jüngstem Hollywoodfilm „Der Marsianer“, in dem Matt Damon auf dem Roten Planeten strandet, sieht es nicht aus.

          McGyver auf dem Mars

          Freilich sind Hollywoods Versionen vom Weltall immer sexier als die Wirklichkeit gewesen, und manchmal auch so weit ab von ihr, dass man bei der Nasa die Augen verdreht. 2011 veröffentlichte die amerikanische Weltraumbehörde sogar eine Liste mit den ihres Erachtens schlechtesten Sciencefiction-Filmen aller Zeiten, die von den Endzeit-Actionschinken „2012“ und „Armageddon“ angeführt wurde.

          Im Film sieht das irgendwie schnittiger aus: Der Rover MMSEV auf dem Mars-Versuchsgelände „Mars Yard“.

          Aber die Nasa und Hollywood leben seit langem in einer seltsamen Symbiose – man ist aufeinander angewiesen, um das jeweilige Publikum mit dramatischen Illustrationen außerirdischer Abenteuerlust beziehungsweise mit wissenschaftlicher Bedeutung bei der Stange zu halten. Mit dem „Marsianer“ nach dem gleichnamigen Bestseller von Andy Weir bot sich eine faszinierende Chance zur Zusammenarbeit.

          „Der Marsianer“ bricht mit der Konvention, spektakuläre Action zu zeigen. Weir beschreibt seinen Helden als eine Art McGyver auf dem Mars, der sein ganzes Wissen aufbieten muss, um zu überleben. Woher Atemluft für ein ganzes Jahr nehmen? Wie Nahrungsmittel in einer lebensfeindlichen Umgebung anbauen? Wie die Kommunikation zum vierhundert Millionen Kilometer entfernten Houston herstellen? Wie genügend Energie für die Rettungsreise kreieren? Und wie einen Hunderte Kilometer umfassenden Sandsturm ohne meteorologische Geräte umschiffen? „Sciencefiction“, sagte Ridley Scott, „ist normalerweise meistenteils Phantasie – aber hier war die krasse Realität der Situation anziehend.“

          Ein „Robinson Crusoe“ für Raumfahrtfans

          Ellen Ochoa, ehemalige Astronautin und Direktorin des Johnson Space Center in Houston, war von Weirs „Marsianer“ derart angetan, dass sie all ihren Mitarbeitern die Lektüre empfahl. Den „Marsianer“ sieht sie als Vorwegnahme der Pläne, welche die Nasa für eine Mars-Mission hat.

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