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Proteste und Straßenkämpfe : Eine rastlose Furcht hat Hongkong ergriffen

Demonstranten legen ein Feuer auf einer Straße in Hongkong, um den Verkehr lahmzulegen. Bild: dpa

Nach dem Maskenverbot und Schüssen auf Demonstranten herrscht in Hongkong ein neuer Ausnahmezustand. Die Bevölkerung sieht sich vor eine Zerreißprobe gestellt.

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          In manchen Momenten kippt die Stimmung in Hongkong so unmerklich, dass man schon ganz genau hinsehen muss. Es kann zum Beispiel damit beginnen, dass man in einer Schar gesenkter Köpfe einen breiten Bürgersteig entlang hastet und auf einmal wenige Zentimeter entfernt ein Rollladen mit lautem Rauschen auf die Straße knallt: Ladenschluss, mitten am Tag. Oder am Eingang der Metrostation, wenn die Großstadtmasse in eine Richtung strömt und unvermittelt zum Stehen gebracht wird, weil nichts mehr fährt. Man kann in diesen Tagen auch aus einem Park kommen und zuschauen, wie hinter einem die Pforten geschlossen und Schilder befestigt werden, auf denen zu lesen ist: Wegen besonderer Vorfälle bleibt dieser Park vorerst geschlossen. In der Ferne dann das Heulen von Sirenen.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Aber das verlässlichste Anzeichen dafür, dass die städtische Ordnung in Hongkong aus den Fugen gerät, sind die 7-Eleven-Minimärkte an jeder Straßenecke. Wenn sie, die sonst rund um die Uhr Trockennudeln und Zigaretten anbieten, dicht machen, sollte man auf der Hut sein. Dann steigen gebürtige Hongkonger ins Taxi oder ziehen ihre Atemmasken über. Jedenfalls taten sie Letzteres bis zum vergangenen Freitag, jetzt ist es verboten.

          Die Proteste in Hongkong haben in der zurückliegenden Woche einen neue Ebene der Eskalation erreicht. Bei den Straßenmärschen am 70. Gründungstag der Volksrepublik China am Dienstag schoss ein Polizist mit scharfer Munition auf einen Demonstranten, es war das erste Mal in der Bilanz der vier Monate andauernden Konflikte. Dann beschloss Regierungschefin Carrie Lam, die für asiatische Großstädte typischen Gesichtsmasken mithilfe einer Notstandsverordnung aus Kolonialzeiten zu verbieten. Das war am Donnerstag. Ab Freitag galt das Dekret. Bei Anbruch der Dunkelheit traten im Stadtteil Kowloon, dort, wo sich die mehrstöckigen Glasfassaden der großen Modefirmen aneinanderreihen, Hunderte Menschen auf die Straße. Wie zufällig reihten sie sich aneinander und riefen nach Freiheit und Demokratie, und die Einsatzkräfte standen abermals nur dabei.

          Später am Abend und weiter im Norden kamen die sogenannten „Frontkämpfer“ hinzu. Sie trugen Masken, alle trugen an diesem Abend Masken und bewegten sich schneller als die anderen Demonstrierenden. Sie hatten Stöcke dabei, mit denen sie sich an Straßenschildern und Ampeln zu schaffen machten. Aber weil Verkehrsschilder sehr robust sein können, schlugen sie auch Fenster und Bankautomaten ein und die Rollläden von kleinen Läden und setzten Mülleimer in Brand. In den Eingängen der Kneipen standen die Besitzer und blickten bang nach draußen. Über den Köpfen aller schwebte Lady Liberty vorbei, die weiße Symbolfigur der jungen Demonstranten, eine Frauengestalt mit Helm und Fahne, und man rief nach Revolution. Danach blieben die Metrostationen erst einmal geschlossen. Am Samstag gab der deutsche Außenminister Heiko Maas eine Reisewarnung aus. Am Sonntag regnete es. Der Morgen war ungewöhnlich still. Später blockierten Hunderte Regenschirme die Straßen des Zentrums. Vor dem ehrwürdigen Peninsula-Hotel, das noch an Kolonialzeiten erinnert, zerrten Aktivisten Absperrungen auf die Straße.

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