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Homo-Ehe : Gleichstellung

Was immer man von der Kritik an der erfolgten Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften hält: Man sollte deren Proponenten schon zu Wort kommen lassen, zumal im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Zuletzt wurden sie dort von Moderatoren oder dem Publikum eher vorgeführt.

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          In der Debatte über die rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe zwischen Mann und Frau zeichnet sich eine bedenkliche Linie ab. Wie bei der Diskussion um Kita-Plätze und die finanzielle Unterstützung für Familien, die ihre Kinder nicht fast von Geburt an in die Obhut des Staates geben wollen (verfemt als „Herdprämie“), wird es ganz schnell persönlich. Da steht dann Lebensentwurf gegen Lebensentwurf, und es wird jenen, die dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur sogenannten Homo-Ehe nicht gleich und vollständig folgen wollen, Diskriminierung und Schwulenfeindlichkeit vorgeworfen.

          Ausgrenzung, die sich rächen könnte

          Dem CSU-Politiker Norbert Geis ging es zum Beispiel so, der in dieser Woche zuerst beim Hessischen Rundfunk (HR Info) und dann beim Deutschlandfunk zu Gast war. Wie es sich denn so anfühle, feixte der HR-Moderator, jahrelang „auf dem falschen Dampfer“ gewesen zu sein. Er meinte damit, dass Geis die rechtliche Gleichstellung heterosexueller und homosexueller Partnerschaften kritisiert. Geis, der dem Moderator auch gleich den Gefallen tat, in Fahrt zu kommen, konnte seinen Standpunkt kaum klarmachen: Dass das Bundesverfassungsgericht seine Entscheidung allein mit Blick auf Artikel 3 Grundgesetz (Gleichheit vor dem Gesetz) begründe, den Artikel 6 Grundgesetz (“Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung“) aber gar nicht gewichte.

          Was wird aus dem Institut „Ehe“? Das ist die Frage, die als wichtigen Punkt in die Debatte einzuführen Geis auch im etwas ausgewogener angelegten Streitgespräch mit Brigitte Zypries im Deutschlandfunk schwergemacht wurde. Bei Anne Will hatten wir dann im Fernsehen das gleiche Bild. Die CDU-Politikerin Erika Steinbach brachte dort sehr abgewogen ihre Bedenken an der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vor und geriet doch (was diesmal dezidiert nicht an der Moderation lag) ins Abseits, wurde ausgebuht und von ihrem Gegenüber David Berger in die Ecke der Homophoben gestellt.

          Frankreich als abschreckendes Beispiel

          Dabei ist zum einen erstaunlich, dass Entscheidungen aus Karlsruhe wie der Segen aus einer Zivilkirche wahrgenommen werden, dem ja nicht widersprochen werden dürfe. Und zum anderen, dass die Ausgrenzung Andersdenkender salonfähig wird. In den Talkshows der ARD war das zuletzt auch bei den Auftritten des katholischen Publizisten Martin Lohmann (bei Plasberg) zu sehen, der die Haltung der katholischen Kirche zu Homosexualität darlegte. Die mag man falsch, verlogen und sonst was finden, sie als von vornherein indiskutabel auszuweisen aber zeugt von einer gefährlichen Intoleranz.

          Gerade im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird man, wenn sich dies fortsetzt, bald gar keine Gesprächspartner aus dieser Richtung mehr finden, die Lust haben, als Punchingball herzuhalten. Und das wäre dann das Ende der Diskussion und eine Vorlage für eine von gehörigem Hass geprägte Frontstellung, wie wir sie in Frankreich erleben.

          Michael Hanfeld
          (miha.), Feuilleton

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