https://www.faz.net/-gqz-ok3b

Holocaust-Mahnmal : Eisenman: Kein Kommentar zu Rückzugsforderungen

  • Aktualisiert am

Peter Eisenman im Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals Bild: AP

Peter Eisenman hat den mit einem antisemitischen Witz ausgelösten Eklat im Kuratorium des Berliner Holocaust-Mahnmals bedauert. Forderungen nach einem Rückzug aus dem Projekt wollte er vorerst nicht kommentieren.

          Der amerikanische Star-Architekt Peter Eisenman hat den mit einem antisemitischen Witz ausgelösten Eklat im Kuratorium des Berliner Holocaust-Mahnmals bedauert. Indirekt in der Presse an ihn herangetragene Forderungen nach einem Rückzug aus dem Projekt wollte Eisenman am Sonntagabend jedoch „vorerst“ nicht kommentieren. Eisenman, der das Mahnmal entworfen hat, verwies darauf, daß er sich bereits in aller Form schriftlich bei Bundestagspräsident Wolfgang Thierse für seine umstrittenen Äußerungen während einer Sitzung des Mahnmal-Kuratoriums Mitte Februar entschuldigt habe.

          Alexander Brenner, der die Berliner Jüdische Gemeinde im Kuratorium vertritt, und der Geschäftsführer der Stiftung Topographie des Terrors, Andreas Nachama, forderten in der „Berliner Morgenpost“ von diesem Montag, Eisenman solle Konsequenzen ziehen. Dazu sagte Eisenman, diese Forderungen seien bislang nicht an ihn herangetragen worden. Sollte nach seinem Rückzug gerufen werden, sei es wohl das beste, wenn man den Kuratoriums-Vorsitzenden Thierse frage, was der davon halte.

          Antisemitischer Witz eines Juden

          Nach Darstellung mehrerer Teilnehmer hatte Eisenman, der selbst Jude ist, während der Sitzung zur Erheiterung erzählt, er sei bei einem Zahnarztbesuch in New York gefragt worden, ob seine - Eisenmans - Goldfüllungen von der Firma Degussa aus den Zähnen ermordeter Juden stammten. Brenner habe darauf unter Protest die Sitzung verlassen. Eisenman solle sich selbst fragen, ob er für dieses Projekt noch tragbar sei, sagte Brenner der Zeitung. Nach Darstellung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ warf er dem Architekten eine „zynische Verunglimpfung des Andenkens der ermordeten, vergasten, erschossenen und verbrannten Juden“ vor.

          Nachama sagte der „Berliner Morgenpost“, hätte sich ein deutscher Stararchitekt derart geäußert, wäre er ohne Zweifel unhaltbar geworden: „Der wäre weg.“ Dies sei nicht das Ende des Holocaust- Mahnmals, aber Eisenman könne nicht länger der verantwortliche Ansprechpartner sein. Auf der Ehrentribüne zur Mahnmals-Eröffnung im Mai kommenden Jahres könne er sich den amerikanischen Architekten nicht mehr vorstellen, sagte Nachama.

          Im Herbst hatte es einen heftigen Streit um die Rolle des Chemiekonzerns Degussa beim Bau des Mahnmals gegeben. Die Produktion der Stelen wurde vorübergehend gestoppt, weil bekannt wurde, daß zum Schutz vor Graffiti ein Degussa-Produkt benutzt worden war. Die Degussa-Tochter Degesch hatte Giftgas für die Ermordung von Millionen Juden in den deutschen Vernichtungslagern der Nazis hergestellt.

          Weitere Themen

          Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille Video-Seite öffnen

          Robert Menasse : Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille

          Für seine Verdienste um die deutsche Sprache würdigte Malu Dreyer den Autor Robert Menasse „als großen Erzähler der Gegenwart“, der seit mehr als drei Jahrzehnten nicht aus der deutschsprachigen Literatur wegzudenken sei.

          Der Steiger geht

          „Tatort“ aus Dortmund : Der Steiger geht

          Verdächtige Grabung im falschen Revier: Der Dortmund-„Tatort - Zorn“ baut lieber auf eine übersteigerte Parallelerzählung, als seinem Zentralmotiv zu vertrauen.

          Matera ist neue Kulturhauptstadt Video-Seite öffnen

          Gemeinsam mit Plowdiw : Matera ist neue Kulturhauptstadt

          Die zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Höhlenstadt läutete ein 48 Wochen umspannendes Kulturprogramm ein, das Ausstellungen, Konzerte, Wettbewerbe und andere Veranstaltungen umfasst.

          Topmeldungen

          Streit über Seehofer-Vorstoß : „Jede dritte Abschiebung ist gescheitert“

          Im Koalitionsstreit über den Vorschlag, Abschiebehäftlinge in normalen Gefängnissen unterzubringen, stellen sich Unionspolitiker hinter den Innenminister. Ausreisepflichtige Ausländer seien oft nicht auffindbar, sagte Innenpolitiker Schuster der F.A.Z. Doch die SPD hat Bedenken.

          Brexit-Debakel : Jetzt wird der Brexit lästig

          Nach der Chaos-Woche in London steht die britische Regierung jetzt endgültig im Regen. Doch politisch sind viele Akteure Lichtjahre voneinander entfernt. Wie lange noch?

          Tech-Konferenz DLD : Die Vermessung des Webs

          Mit der Seite im Bild fing alles an. Vor nur knapp 30 Jahren gab es nur einen Server und eine Website. Heute verbindet das Internet die halbe Welt. Wir machen die Entwicklung des Netzes erlebbar.
          Kommt der Aufschnitt bald nicht mehr von echten Tieren, sondern aus dem Labor?

          Tech-Konferenz DLD : 190 Dollar für 100 Gramm Wurst

          Wie kann die wachsende Weltbevölkerung in Zukunft ernährt werden? Eine vielversprechende Idee ist Fleischersatz aus dem Labor. Doch noch ist das ziemlich teuer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.