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Wagner-Festspiele : Bayreuths Not

  • -Aktualisiert am

Der Geschäftsführer der Bayreuther Festspiele, Holger von Berg, aufgenommen vor dem so genannten "Königsbau" des Festspielhauses. Bild: dpa

Nachdem Katharina Wagner ihr Amt als Leiterin der Bayreuther Festspiele ruhen lassen musste, verlässt nun auch der Geschäftsführer Holger von Berg seinen Posten. Der Zeitpunkt der Nachricht gibt Anlass zur Besorgnis.

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          Die Bayreuther Festspiele sind in einen Schicksalshagelschlag geraten, der gar nicht mehr enden will. Im Dezember war der langjährige Pressesprecher Peter Emmerich gestorben, der zu den engsten Vertrauten der Festspielleiterin Katharina Wagner gehörte, dann mussten am 31. März die Festspiele 2020 wegen der Covid-19-Pandemie abgesagt werden. Ende April wurde schließlich noch bekannt, dass Katharina Wagner „längerfristig erkrankt“ sei und ihr Amt in der Geschäftsführung ruhenlassen müsse. Hans-Dieter Sense, mittlerweile einundachtzig Jahre alt, der von 2013 bis 2016 schon einmal für die Geschäftsführung der Richard-Wagner-Festspiele tätig war, kehrte nach Bayreuth zurück und trat dem Mann wieder zur Seite, der ihm vor vier Jahren im Amt gefolgt war: Holger von Berg. Nun wurde bekannt, dass auch Holger von Berg die Festspiele verlassen werde. Seinen Vertrag als Geschäftsführer werde er voraussichtlich bis zum 31. März 2021 erfüllen, sich danach aber anderen Tätigkeiten zuwenden.

          Der Zeitpunkt der Nachricht darf Besorgnis wecken. Was ist da los in Bayreuth? Werden offene Flanken genutzt, um in die Festspiele einzugreifen, die bei mangelnder Behutsamkeit schwer beschädigt werden könnten? Rein sachlich ist es aber weniger dramatisch, als es scheint. Die Entscheidung, den Vertrag von Bergs nicht mehr zu verlängern, traf der Verwaltungsrat der Festspiel-GmbH schon im November 2019. Von Berg, dem von allen Seiten exzellente Arbeit bescheinigt wird, hatte sich schon bei der letzten Pressekonferenz im Sommer 2019 zögerlich gezeigt, was seine Zukunft in Bayreuth angeht: Immerhin hat er eine Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern in München, wo er zuvor Geschäftsführer des Residenztheaters gewesen war. Er kommt aus der Bayerischen Staatsverwaltung und hatte schon bei Amtsantritt vertraglich ein Rückkehrrecht nach München zugesichert bekommen.

          Trotzdem ist die Not groß in Bayreuth. Die Kosten für die Sanierung des Festspielhauses haben sich seit 2013 verdoppelt und nähern sich der Marke von hundert Millionen Euro; künstlerische Entscheidungen für die Disposition der nächsten Festspieljahrgänge und das Jubiläum 2026 – hundertfünfzig Jahre Bayreuther Festspiele – müssen gefällt werden. Da stimmt es zumindest hoffnungsfroh, wenn aus dem engsten Umkreis von Katharina Wagner verlautet, ihr Gesundheitszustand habe sich stabilisiert. Wann sie aber ins Amt zurückkehren könne, ob vielleicht noch in diesem Jahr, das sei weiterhin völlig offen.

          Jan Brachmann

          Redakteur im Feuilleton.

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