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„Berliner Zeitung“ : Was ist das für ein Verleger?

Verfasste laut Dokumenten aus der Stasi-Unterlagenbehörde über zwölf Berichte zu Kameraden: der neue Verleger der „Berliner Zeitung“ Holger Friedrich Bild: dpa

Der Einstieg von Silke und Holger Friedrich beim Berliner Verlag war furios. Sie veröffentlichten ein Manifest, alles sah nach Aufbruch aus. Und was ist jetzt, nach den Stasi-Enthüllungen?

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          Jetzt prasselt es auf den Neuverleger Holger Friedrich so richtig ein. Der „Spiegel“ weist auf einen Artikel in der von Friedrich und seiner Frau Silke gekauften „Berliner Zeitung“ hin, der vom Börsengang des Rostocker Unternehmens „Centogene“ handelte, an dem Friedrich beteiligt und in dessen Aufsichtsrat er vertreten ist.

          Bei Uwe Vorkötter, früher selbst Chefredakteur der „Berliner Zeitung“ und heute bei „Horizont“, lesen wir, dass Friedrich sich als Geschäftsführer der Firma Verimi, die einen Login-Account entwickelt, über den man sicher zu verschiedenen Angeboten kommt, die Ausnahmegenehmigung erteilen ließ, Entwicklungsaufträge an seine eigene Sofwarefirma Core zu vergeben. Dabei sei es um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag gegangen.

          Erscheint schon das als schwierig, wiegt Friedrichs Stasi-Vergangenheit, welche die „Welt am Sonntag“ ans Licht brachte, noch schwerer. Bevor die Zeitung darlegte, was in Friedrichs IM-Akte (Deckname „Peter Bernstein“) steht und wie dies einzuordnen sei – nämlich als durchaus schwerwiegendes Denunzieren von Kameraden bei der Nationalen Volksarmee –, versuchte Friedrich in der eigenen Zeitung mit dem Abdruck der Fragen der WamS und seiner Antworten in die Offensive zu gehen. Er legte dar, in welcher Zwangslage er sich befunden habe angesichts der Vorwürfe, welche die Stasi ihm gemacht habe – Republikflucht, Fahnenflucht und bewaffneter Grenzdurchbruch.

          Die „Berliner Zeitung“, mit der die Friedrichs eigentlich durchstarten wollten, sieht sich so auf den Anfang ihrer Nachwendegeschichte zurückgeworfen, als es darum ging, das Stasi-Erbe von Mitarbeitern zu bewältigen. Jetzt will sie, wie die Chefredakteure Jochen Arntz und Elmar Jehn schreiben, abermals in eigener Sache aufklären, „Fakten sammeln“, „die Akten – die Opfer- und die Täterakte – einsehen“, sich ein Urteil bilden „und auch Experten bitten, sich ein Bild zu machen“. Über all das wolle man transparent berichten: „journalistisch klar und unabhängig.“

          Etwas anderes bleibt der „Berliner Zeitung“ nicht übrig. Sie ist gut beraten, dass sie nicht nur selbst die Stasi-Akten studiert, sondern auch unabhängige Gutachter hinzuzuzieht wie die frühere Leiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde, Marianne Birthler, und den Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk, was der Redaktion am Montag mitgeteilt wurde.

          Holger Friedrich indes würde die Geschichte, die ihm in seiner Karriere als Berater bei McKinsey und IT-Unternehmer bis dato nicht schadete, jetzt wahrscheinlich nicht so sehr auf die Füße fallen, hätten er und seine Frau in ihrem in der eigenen Zeitung veröffentlichten Manifest nicht so große Töne gespuckt und politische Ansichten mit ihrer Mission verwoben, es als Verleger anders und, so der Subtext, besser zu machen als andere.

          Von „außerparlamentarischer Opposition“ war da die Rede und von „bürgerlicher Selbstermächtigung“. Und dann sagt Holger Friedrich in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, das die „Berliner Zeitung“ ebenfalls druckte, auch noch, sie seien von den Reaktionen auf ihr Editorial „gelangweilt“ gewesen, weil diese so vorhersehbar ausgefallen seien. Beim Zeitungsverlegerverband BDZV fühlen sich die Friedrichs mit ihrer Expertise nicht willkommen, sie wollen Mitglied im Verband der Digitalunternehmen Bitkom werden.

          Sodann verweist Friedrich im Gespräch mit der NZZ noch darauf, dass die Beteiligung am Online-Portal der Stadt Berlin, „berlin.de“, „der eigentliche Schatz unseres Deals“ (also des Kaufs des Berliner Verlags) gewesen sei.

          Es sei „verstörend, wie weit die Schatten der Vergangenheit in eine Gegenwart reichen, in der Holger Friedrich wahrscheinlich nicht einmal mehr selbst beurteilen kann, was richtig oder falsch war“, sagt der Herausgeber der „Berliner Zeitung“, Michael Maier, gegenüber der „Süddeutschen“. Für Verstörung indes sorgt Holger Friedrich vor allem selbst. Man fragt sich: Was will er als „Verleger“ denn überhaupt?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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