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Hochschulen : Sätze im Bassin: Düsseldorfer Kunstakademie öffnet zum Rundgang

  • -Aktualisiert am

Von diesem Mittwoch an öffnet die Düsseldorfer Kunstakademie ihre Tore für den öffentlichen Rundgang. Kunststudenten stellen sich erstmals einem großen Publikum vor. Hier entdecken Galeristen und Sammler Talente.

          Alle Jahre wieder, in diesem Jahr vom 7. bis zum 11. Februar, öffnet die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf ihre Pforten für die Öffentlichkeit, alle Jahre wieder organisieren die einzelnen Klassen einen „Rundgang“ mit ausgewählten Werken. Und alle Jahre wieder fragt man sich: „Ist das der Stand der jungen Kunst? Gibt es etwas Neues? Gar Trends?“. Zum jährlichen „Rundgang“ kommen immerhin bis zu 40 000 Besucher.

          „Scheiß-Phantasie“ steht auf einem Stück Papier - eine weiße Karteikarte, die im Wasser schwimmt. „Ozeanisches Stückwerk“ nennt Klaus Icking, Student an der Düsseldorfer Kunstakademie, sein aus zwei Bassins bestehendes Werk, in denen schöngeschriebene Sätze schwimmen.

          Provozierend sind nur die Worte

          Irgendwo steht ein Brett an der Wand, das mit Flaschenhälsen zerbrochener Bierflaschen gespickt ist und auf dem man den Titel „Wichser“ lesen kann. An einer anderen Stelle wird man von den Bleistiftzeichnungen Yin Ming-Mings zum „Küssen“ aufgefordert, während eine Klasse, deren Atelier wie eine Mischung aus Abenteuerspielplatz und Schützengraben aussieht und nach Tierhandlung riecht, mit dem Schild warnt: „Betreten auf eigene Gefahr“.

          Nein - man kennt schon alles. Immer noch ist die Malerei nicht tot. An der Düsseldorfer Akademie dominiert sie ohnehin. Ob die Klasse des Rektors Markus Lüpertz, oder die Eleven der Professoren-Kollegen Jörg Immendorff, Konrad Klapheck, Dieter Krieg oder A.R. Penck - die Studenten malen fast alle wie kleine Lüpertze, Immendorffe oder Kriegs.

          Eigenständig ist kaum etwas

          Auch in den Bildhauerklassen von Magdalena Jetelowa, Tony Cragg oder Jannis Kounellis ist es in diesem Jahr viel nicht besser: Nicht Vielfältigkeit und Stilpluralismus, sondern Langeweile und Mutlosigkeit herrschen vor. Darüber kann auch die einfallsreiche Skulptur von Simon Schubert kaum hinwegtäuschen: „Sprungbrett Akademie“ - ein mit einem roten Teppich ausgelegtes Treppchen samt federndem Katapult.

          So mag man beim diesjährigen Rundgang einen Trend konstatieren: Künstler misstrauen der Kunst, geben sie auf und erklären die Kapitulation zum konzeptuellen Kunstwerk. Ob das der „Wie geht's- Laden“ des Klaus-Rinke-Schülers Yoo Young Ho ist, der einen Düsseldorfer Einzelhändler fünf Tage lang die nichtsnutzigsten Geschenkartikel verkaufen lässt - oder der ironische „Miss Lolly-Automat“ mit seinen fünf Frauentypen in fünf Geschmacksrichtungen - aus dem Kunst als Mitbringsel funktioniert.

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