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Bildungshürden nehmen : Lesen auf dem Bildschirm leistet weniger

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Wird dem Kind außerdem immer wieder vorgelesen und spürt es dabei die emotionale Wärme des Vorlesers, gewinnen Sprache und Schrift weiter an Wert. Bei Bilderbüchern, die lustig sind, Reim und Rhythmus aufweisen, können die Vorschulkinder schon nach wenigen Wiederholungen die Reimwörter selbst sagen und erfahren intellektuelle Erfolge. Zusätzlich wächst laufend der Wortschatz. Denn ein großer Wortschatz hilft beim Lesenlernen. Das Lautbild steht später immer hilfreich hinter jedem Schriftbild eines Wortes. Wie mächtig Reim und Rhythmus sind, ersieht man allein daran, dass es Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts auf dem Balkan noch Sänger/Erzähler gab, die als Analphabeten Gesänge mit bis zu 49.000 Versen vortragen konnten. Reim und Rhythmus als hilfreiche Geister im Umgang mit Sprache erfuhren in den letzten Jahren bei uns jedoch eher Missachtung. Aber auch Schulkinder, selbst solche, die eigentlich schon lesen können, genießen es noch lange, wenn ihnen vorgelesen wird. Sicher, Vorlesen – wie die gesamte Kindererziehung – ist mit Mühe verbunden. Erfolgreiches Lesenlernen gelingt nur durch eine intensive Lesemotivation, also Neugier auf eine ferne Welt. Frühes und häufiges elterliches Vorlesen, ein großer eigener Wortschatz. Förderung der Leseflüssigkeit durch wiederholtes Lesen sind mächtige Hilfen. Grundvoraussetzung ist das Erkennen des alphabetischen Prinzips.

Sind diese Voraussetzungen nicht oder schwach gegeben, entsteht unweigerlich Förderbedarf. Das Dilemma ist, dass anfängliche Misserfolge zu Lesescheu und Schriftvermeidung führen und damit den Teufelskreis bis zur Bildungsverweigerung in Gang setzen. Notorische Problemfälle sind sogenannte Legastheniker, die ärztlicherseits auf fünf Prozent der Kinder geschätzt werden. Bei ihnen beobachtet man gehäuft Ängstlichkeit, Traurigkeit und verringerte Fähigkeit zur Aufmerksamkeit. Gerade an Legasthenikern erkennt man, welche Bedeutung ein stabiles Schriftbild für das Lesen (und Behalten) hat. Manche Schulanfänger können ihre Augen nicht gemeinsam auf denselben Punkt zu fixieren und bei den Lesesprüngen stets parallel führen. Das Ergebnis ist, ihr Gehirn erhält bei denselben Wörtern widersprüchliche Bilder. Und das verwirrt, es verunsichert. Wird diese Augenschwäche erkannt, was nicht allen Augenärzten gelingt, kann eine „Piraten-Augenklappe“ helfen, damit nur mit einem Auge gelesen wird und das Gehirn eindeutige Wortbilder erhält.

Bildschirm-Lesen verlangt weniger Motorik

Wenn die Kinder in der Vorschulzeit Gelegenheit hatten, mit Malstiften umzugehen, ihre Feinmotorik sich schon entwickeln konnte, ist für sie das Schreiben keine Überforderung. Eine ausgebildete Feinmotorik hat weder einem Kind noch einem Erwachsenen je geschadet.

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