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Exzellenzstatus für Unis : Ein ungleicher Kampf

Exzellente Schwanzlurche: Ein Aquarium im Zentrum für Regenerative Therapien in Dresden, das bisher auch Exzellenzcluster war. Bild: Picture-Alliance

Kaum eine Universität will sich die Chance entgehen lassen, den Exzellenzstatus zu erreichen – doch nicht nur der staatliche Einfluss auf die Entscheidung sorgt für Unzufriedenheit.

          Wann immer man in den vergangenen Wochen Universitätsrektoren und deren Vizepräsidenten sowie Forschern begegnete, war die sogenannte Begehung bei der Exzellenzstrategie das wichtigste Gesprächsthema. Die einen hatten den Besuch der Gutachter, die über die zweite Förderlinie, also den Status als Exzellenzuniversität zu entscheiden hatten, noch vor sich, die anderen berichteten nicht ohne anekdotische Evidenz von den Proben für die Begehung. Alle waren sich in einem einig: Die drei Jahre, die eine Bewerbung bei der Exzellenzstrategie dauert, waren zu lang. Viele andere Aufgaben und Forschungsvorhaben betroffener Wissenschaftler wurden in der Zeit verlangsamt oder ganz blockiert. Manchmal schien es so, als hätten es nur die Universitätsleitungen richtig gut, die ohnehin nicht die Voraussetzung von mindestens zwei geförderten Clustern (Forschungsverbünden) erfüllt hatten und sich ihren eigentlichen Aufgaben zuwenden konnten.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Doch aller Kritik zum Trotz will keine Universität, die zur Exzellenzuniversität werden könnte, ihre Chance ungenutzt lassen, weil der Reputationsgewinn für einen Wissenschaftsverbund oder einen Standort auch im Ausland immens ist. Aus 88 eingereichten Anträgen waren im September vergangenen Jahres durch eine Intervention der Bundesbildungsministerin im Einvernehmen mit den Gutachtern bei der entscheidenden Sitzung 57 Exzellenzcluster ausgewählt worden, eigentlich waren nur 46 geplant gewesen. Die einzelnen Cluster wurden deshalb entsprechend stark gekürzt. Derzeit bewerben sich 19 Universitäten mit mindestens zwei bewilligten Clustern für den Status der Exzellenzuniversität. Bisher ist geplant, am 19. Juli mindestens elf von ihnen zur Exzellenzuniversität zu küren. Da jedoch der politische Einfluss immer schon größer war als bei der Auswahl der Cluster, könnten es auch mehr werden. Erst in der vergangenen Woche hat auch der frühere Vorsitzende der nach ihm benannten Kommission, der Schweizer Umweltphysiker Dieter Imboden, die Exzellenzstrategie in Berlin kritisiert. Er hat dazu gute Gründe, denn an entscheidender Stelle war die Politik bei der Neukonzeption der Exzellenzstrategie den Vorschlägen seiner Kommission nicht gefolgt.

          Erst vor kurzem hat Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) die Befürchtung geäußert, dass die Kluft zwischen armen und reichen Hochschulstandorten größer werde. Dass der Osten bis auf Sachsen wohl wieder keine Exzellenzuniversität haben wird, schürt die Angst, dass sich die Verteilung auf Jahrzehnte verfestigen könnte. Das hätte für das Gesamtsystem, aber auch alle nicht erfolgreichen Standorte internationale Folgen. Die ungleiche Verteilung von Wettbewerbschancen, die Umverteilung von Haushaltsmitteln in den Universitäten, die Belohnung bloßer Antragsexzellenz, der kaum verborgene staatliche Einfluss auf die Auswahlentscheidungen und die unerfüllbaren Stellenversprechungen an eine junge Wissenschaftlergeneration gehören zu den vielkritisierten Begleiterscheinungen. Die Universitäten selbst sind der Auffassung, viel zu wenig beteiligt worden zu sein, und halten die Evaluierung eines Sonderforschungsbereichs für wissenschaftsadäquater und besser als die Momentaufnahme eines Exzellenzclusters. Sie verweisen außerdem darauf, dass immer weitere Fortsetzungen der Exzellenzinitiative nach dem gegenwärtigen Muster zu einem regelrechten institutionellen Burn-out führen könnten, weil alles andere vernachlässigt werden muss.

          Seit 2006 haben Bund und Länder 4,6 Milliarden Euro zusätzlich bereitgestellt, und im Sommer werden bei der Exzellenzstrategie noch einmal 520 Millionen Euro pro Jahr hinzukommen. Wer das aus der Perspektive der international renommierten ETH in Zürich sieht, wird über diese Summe nur müde lächeln können, doch für manche Länderhaushalte ist das viel Geld. Umso fataler, dass es offenbar Länder gibt, die angesichts der sinkenden Steuereinnahmen ihre Kofinanzierung der Exzellenzprojekte gekürzt haben. So kann man seine Universitäten auch im Regen stehenlassen.

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