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Förderung von Doktoranden : Im Schatten der Exzellenz

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Bild: dpa

Graduiertenschulen sind nicht mehr Teil der Exzellenzinitiative, sie müssen neue Finanzierungswege gehen. Leidet darunter die Qualität der Doktorandenausbildung?

          Über Exzellenz entscheiden im Hochschulwesen die Cluster. Nur wer zwei von ihnen bewilligt bekommt, darf zukünftig den Titel Exzellenzuniversität tragen. Und so schauen Hochschulen, Bund und Länder momentan vor allem darauf, welche der mehr als achtzig Exzellenzcluster, die es in die zweite Bewerberrunde geschafft haben, am Ende gefördert werden. Die Entscheidung fällt im September. Mit den Clustern ist es aber nicht getan. Wenn 2019 die neue Exzellenzstrategie in Kraft tritt, braucht es auch ein neues Finanzierungsmodell für die Graduiertenschulen, die bisher über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert wurden und künftig aus der Förderung herausfallen. Die DFG sieht darin kein Problem. "Solche Angebote gehören inzwischen zum Standard und müssen deshalb im Rahmen des Nachfolgeprogramms der Exzellenzinitiative nicht mehr als eigene Förderlinie vorkommen", sagt DFG-Präsident Peter Strohschneider. Die Förderung müsse nun auf eine institutionelle Ebene gehoben werden.

          Für die Graduiertenschulen ist die Zukunft ohne die DFG-Mittel unsicher. Die Gefahr, dass ein wichtiger Zweig der Spitzenforschung wegbricht, sieht Strohschneider aber nicht, da sich eine Finanzierung aus Landes- und Hochschulmitteln abzeichne. "Die Annahme, dass alleine durch das Auslaufen der Förderung in der Exzellenzinitiative ein wesentlicher Teil der Spitzenforschung oder genauer: der strukturierten Graduiertenausbildung in einem anspruchsvollen Forschungskontext wegbricht, wäre also ein Fehlschluss."

          Bei den Graduiertenschulen sorgen die veränderten Strukturen kaum für einen Aufschrei. Dabei werden deutliche Abstriche unvermeidlich sein. Länder und Hochschulen werden den durch die DFG gewährleisteten finanziellen Rahmen nicht aufrechterhalten können. Die Internationale Graduiertenschule für Afrikastudien in Bayreuth erhielt beispielsweise rund dreizehn Millionen Euro Förderung. Nun hat sie einen Antrag gestellt, um als Cluster in der Exzellenzstrategie weiterzuleben. Mehrere Graduiertenschulen streben eine solche Überführung an, doch bis zur Entscheidung im September herrscht Ungewissheit. "Ein Wegfall der DFG-Fördergelder hätte die Konsequenz, dass das, was sich über die vergangenen fast elf Jahre der Förderung in der Exzellenzinitiative aus der Graduiertenschule heraus höchst erfolgreich entwickeln ließ, nur noch in sehr reduzierter Form aufrechterhalten werden könnte", sagt Dymitr Ibriszimow, der Dekan der Graduiertenschule. Sollte der Antrag scheitern, müsse man wie an vielen Graduiertenschulen kürzertreten. Die Institution könnte zwar mit 25 Prozent Landesmitteln weiter bestehen - die Zahl der Doktoranden müsste sich aber erheblich verringern.

          Allgemein herrscht die Ansicht vor, dass solche Maßnahmen an den Graduiertenschulen unausweichlich sind, da die klaffende finanzielle Lücke über Gelder vom Land und Drittmittel nicht geschlossen werden kann. Unter den Bundesländern hat Baden-Württemberg bereits zugesagt, die zwölf Graduiertenschulen des Landes nach dem Auslaufen der Überbrückungsfinanzierung dauerhaft zu unterstützen. Dies geht jedoch auf Kosten anderer Förderprogramme. So plant das zuständige Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst unter Ministerin Theresia Bauer, die Mittel der Landesgraduiertenförderung deutlich zu kürzen. Mit diesem Geld konnten Hochschulen des Landes Doktoranden bisher fernab von Kollegs, Schulen und Clustern über Individualstipendien fördern. Nun sollen die den Hochschulen zur Verfügung gestellten Mittel von bisher rund 7,1 Millionen Euro schrittweise auf 5,1 Millionen gesenkt werden.

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