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Plagiatsverdacht : Die LMU München prüft und prüft

  • -Aktualisiert am

Wie handhabt man den Diebstahl geistigen Eigentums in Doktorarbeiten? - Universitäten reagieren meist zu langsam und auch zu unterschiedlich. Bild: dpa

Die LMU München prüft seit vierzig Monaten einen Plagiatsverdacht. Nachfragende Journalisten werden vertröstet, ein Ende ist nicht in Sicht.

          Im Jahr 2006 wurden an der Berliner Charité und der LMU München zwei medizinische Doktorarbeiten verteidigt. Der Betreuer der ersten Arbeit war der Vater der zweiten Promovendin. Später sollte die Wissenschaftsplattform VroniPlag Wiki herausfinden, dass die Arbeiten zu rund achtzig Prozent identisch waren, inklusive vieler Daten und Abbildungen. Ein Hinweis auf eine gemeinsame Erstellung findet sich bei beiden nicht. Kopierfehler legen nahe, dass die Münchner Promovendin vom Berliner Kollegen abgeschrieben haben könnte.

          Im Mai 2015 wird die LMU über den Vorfall informiert. Ob die Universität den Fall aufgearbeitet hat, kann seitdem nicht in Erfahrung gebracht werden. Anfragen dieser Zeitung seit Mai 2017 werden mit dem Hinweis beantwortet, das Verfahren laufe noch. Zwischenzeitlich werden E-Mails der LMU-Pressestelle gar nicht mehr namentlich unterzeichnet. Im September 2018 heißt es dann: Man müsse sich mit der Rechtsabteilung abstimmen. Aber: Der zuständige Referent sei im Urlaub. An der TU München wurde ein Doktorgrad dreizehn Monate nach der Meldung von VroniPlag Wiki aberkannt. Die LMU aber prüft nun seit vierzig Monaten. Parallel prüft die Rechtsabteilung, was die Öffentlichkeit darüber wissen darf. Bis heute wird die fragwürdige Doktorarbeit auf den Websites der LMU frei verfügbar gehalten, ohne jeden Hinweis auf den Plagiatsvorwurf.

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