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Ungelernte Lehrer : Hauptsache, kein Unterrichtsausfall!

Bild: dpa

Was soll junge Menschen noch motivieren, ein mehrjähriges Studium anzutreten, wenn jetzt zuhauf Seiteneinsteiger Lehrer werden? Wer unterrichtet, ist völlig gleichgültig. Ein Kommentar.

          Auch wenn man den Bildungsmonitor mit seinen Kriterien nicht für den schlechthinnigen Qualitätsmaßstab für das deutsche Schulsystem betrachtet, kann seinem Befund einer sinkenden Bildungsqualität in Deutschland nur zugestimmt werden. Derzeit sorgt allein der Lehrermangel dafür, dass sich dieser Zustand nicht bessert, sondern langfristig mit Sicherheit verschlechtert. Obwohl die verantwortlichen Bildungspolitiker in den Ländern wissen, dass die Professionalität der Lehrer zu den Grundvoraussetzungen für einen herausfordernden Unterricht mit guten Leistungsergebnissen gehört, verfahren sie aus lauter Angst vor dem elterlichen Wahlvolk nach der Devise: Hauptsache, kein Unterrichtsausfall, wer unterrichtet, ist völlig gleichgültig.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Einen geringen Anteil ungelernter Lehrer gab es in Notsituationen der Bildungsgeschichte immer wieder, oft waren es Quereinsteiger, die zur Gesichtswahrung der Bildungspolitik dienten. Aber es waren noch nie so viele und noch nie so wenig Qualifizierte. Auf der anderen Seite gab es noch nie so schwierige und heterogene Klassen wie jetzt.

          Das verschärft die soziale Spaltung

          Auch das Grundschullehramt ist mit Anforderungen überhäuft worden: Inklusion, Diagnosefähigkeit, fachwissenschaftliche Ausbildung in Deutsch und Mathematik und vieles mehr. In den meisten Ländern dauert das Studium zwischen vier und fünf Jahre. Wie soll man denn Interessenten für diese schwierige Aufgabe finden, wenn es auch den einfachen, unqualifizierten Weg in die Schule gibt, der so viel müheloser erscheint, auch wenn er zumindest in Brennpunktschulen zum sicheren Scheitern bei Lehrern und Schülern führt?

          Selbst ein noch so guter Mathematiker weiß noch lange nicht, wie er Schulmathematik unterrichten könnte, wie er mit undisziplinierten Schülern, die fortwährend stören oder den Unterricht unmöglich machen, verfahren kann. Hinzu kommt, dass die mangelhaft qualifizierten Lehrer geballt an Brennpunktschulen mit überbordenden Problemen eingesetzt werden. Das verschärft die soziale Spaltung vor allem in den Stadtstaaten, aber auch in den Großstädten der Flächenländer. Das Lehrerdebakel in Berlin ist ein Menetekel für die anderen Bundesländer, derzeit behelfen sich alle mit dürftigen Lösungen.

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