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Androiden : Sind Roboter die besseren Menschen?

  • -Aktualisiert am

Der japanische Robotiker Hiroshi Ishiguro und sein Maschinendouble Geminoid Bild: dpa

Roboter sind manchen Menschen näher als ihre Artgenossen, findet eine Studie heraus. Vielleicht sollte man sie doch nicht zu menschlich gestalten.

          Dass Menschen die Angehörigen anderer Spezies den eigenen Artgenossen vorziehen, kommt häufiger vor. Besonders Hunde gelten ihren Besitzern oft als die besseren Menschen, weshalb die Vierbeiner zunehmend den Platz der seltener werdenden Kinder einnehmen. Friedrich der Große, erster Misanthrop seines Staates, ließ seine Windspiele in seinem Bett schlafen und von seinen Dienern mit „Sie“ anreden. Auf Französisch, versteht sich. In Zeiten Künstlicher Intelligenz und transhumanistischer Visionen hat sich auch die gattungsübergreifende Empathie weiterentwickelt. Sie überwindet die Grenzen der Biologie und schließt nun auch stählerne Roboter in ihre Arme.

          Psychologen der Ludwig-Maximilians-Universität in München und der Radboud-Universität in Nimwegen haben untersucht, inwieweit Menschen bereit sind, Roboter zu opfern, um Mitmenschen zu retten. Die Teilnehmer der Studie mussten anhand unterschiedlicher Szenarien entscheiden, ob sie ein Individuum in Lebensgefahr bringen würden, um eine Gruppe verletzter Menschen zu retten. Je nach Szenario war dieses Individuum ein Mensch, ein Roboter mit menschlichen Zügen oder ein Roboter, der deutlich als Maschine zu erkennen war. Je menschenähnlicher der Roboter ausfiel, desto stärkere Schutzinstinkte erweckte er. Das lag nicht nur an seinem humanoiden Aussehen, sondern vor allem an der Legende, mit der die Wissenschaftler ihn ausstatteten. Je deutlicher sie ihn als Wesen mit eigenen Vorstellungen, Gefühlen und Erfahrungen darstellten, desto schwerer fiel es den Probanden, ihn zu opfern, um Menschenleben zu retten. Einige waren sogar bereit, die verletzten Menschen umkommen zu lassen, um den Roboter zu schonen.

          Der Studienleiter Markus Paulus warnt deshalb davor, als Pflegeassistenten, Haushaltshelfer oder Minenräumer eingesetzte Roboter immer menschenähnlicher zu gestalten. Haben wir es hier noch mit einer schlichten Vermenschlichung der Maschine zu tun oder schon mit ihrer Verübermenschlichung? Schließlich räumten einige Probanden den Robotern ja ein größeres Lebensrecht als den Menschen ein. Doch wahrscheinlich machten sie gar keinen wesentlichen Unterschied zwischen Mensch und Maschine, sondern sahen im Roboter einfach einen Artgenossen in elektronischer Version, den sie sympathischer fanden als die biologischen Zweibeiner. Welche Verwirrung das stiften kann, illustriert die schwedische Fernsehserie „Echte Menschen“, in der humanoide Roboter als die eigentlichen Menschen erscheinen. Wie eine Truppe zurückgebliebener Rassisten wirken hingegen biologische Menschen, die die „Hubots“ wieder auf ihre Rolle als Dienstboten zurückstufen wollen. Aus dieser Rolle versuchte Boomer, ein real existierender amerikanischer Armee-Roboter zur Sprengstoffentschärfung, nie auszubrechen. Treu erfüllte er seine soldatische Pflicht und fand sein explosives Ende auf dem irakischen Schlachtfeld. Dafür bekam Boomer eine Beisetzung mit 21 Salutschüssen. Für seinen heldenhaften Einsatz wurden ihm, sozusagen postum, zwei Orden verliehen. Ob auch für seine unsterbliche Seele gebetet wurde, ist nicht überliefert.

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