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TU Dortmund : Diversität als Monolog und Herrschaftsinstrument

  • -Aktualisiert am

Diese Bedenken sind berechtigt: Zwar bekunden die drei Professorinnen ihre Absicht, die Studierfähigkeit des Fachs weiterhin zu gewährleisten. Doch seit ihrem Austritt aus dem germanistischen Institut hat sich gezeigt, dass die Praxis anders aussieht. Da sie sich nicht mehr am gemeinsamen Institutsmanagement beteiligen, sondern für die Zulassung zu ihren Lehrveranstaltungen eigene Regeln definieren, geraten Studenten immer wieder in schwierige Situationen und beklagen sich bei der Beschwerdestelle der Universität.

Ärger und Verunsicherung

Als die Professorinnen von Mitgliedern des Fakultätsrates nach den Gründen ihres Austritts gefragt werden, bleiben sie im Allgemeinen. Sie sprechen von mangelnder Wertschätzung seitens ehemaliger Institutskollegen und von einer fehlenden Vertrauensbasis. Um welche konkreten Vorwürfe es geht, ist nach wie vor offen: Auch Nachfragen dieser Zeitung blieben unbeantwortet.

Die Fakultätsratssitzung jedenfalls läuft nicht gut für Nieberle, Mertins und Marci-Boehncke. Die Gründung des Instituts wird mit elf Nein- gegenüber zwei Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt. In den folgenden Wochen versucht der Dekan in Gesprächen mit Mitgliedern der Fakultät auszuloten, unter welchen Bedingungen es doch noch eine Zustimmung zu einer Institutsgründung geben könnte. Doch die Bedenken bleiben.

Mittlerweile gibt es Veränderungen in der AG für Diversitätsforschung. Eine vierte Germanistikprofessorin, die dort zwischenzeitlich Mitglied war, verlässt die AG wieder. Dafür tritt eine Anglistikprofessorin ein, die zuvor ihr altes Institut verlassen hat. Das wird dem Rektorat den Anlass bieten, neben dem Institut für Germanistik auch das Institut für Anglistik und Amerikanistik aufzulösen, obwohl es dort keine vergleichbaren Verwerfungen gegeben hat.

Am 4. April ist es dann so weit: Ursula Gather beendet die Existenz der Institute mit der Begründung, „außergewöhnliche Konflikte“ und Beeinträchtigungen des Lehr- und Prüfungsbetriebs hätten diesen Schritt unabdingbar gemacht. Was sie nicht erwähnt, ist, dass die vom Rektorat unterstützten Aktionen der AG für Diversitätsforschung diese Situation erst geschaffen haben.

Falls diese Unterstützung machtpolitisch motiviert war, hat sie sich ausgezahlt: Die Aufspaltung der Institute in einzelne Lehrstühle bedeutet eine Schwächung der Fakultät gegenüber der Hochschulleitung. Sie erschwert zugleich den Lehr- und Prüfungsbetrieb innerhalb der Fächer, da sich jetzt die einzelnen Lehrstühle untereinander abstimmen müssen. Das immerhin funktioniert nach Angaben des Fachschaftsrates Germanistik inzwischen leidlich, nachdem in den vergangenen Monaten ausfallende oder überbuchte Lehrveranstaltungen und kurzfristig veränderte Lehrformate zu Ärger und Verunsicherung unter den Studenten führten.

Wie es an der Dortmunder Fakultät Kulturwissenschaften weitergehen wird, ist unklar. Die Rektorin empfiehlt ein einjähriges Moratorium. In dieser Zeit soll die Fakultät „neue Binnenstrukturen“ entwickeln. Welche das sein könnten, darüber lässt sich momentan nur spekulieren.

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