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Leistungstests in Schulen : Wird zu viel geprüft?

  • -Aktualisiert am

Schriftliches Abitur in Brandenburg Bild: Picture-Alliance

In den Schulen ist weltweit eine regelrechte Testeritis ausgebrochen. Gibt es inzwischen nicht zu viele Leistungsüberprüfungen? Eine neue Studie mit zwei Millionen Schülern kommt zu einem klaren Ergebnis.

          Eltern, Lehrkräfte und Schüler fühlen sich manchmal einer regelrechten Testeritis ausgesetzt. Tatsächlich steigt der Einsatz schulischer Leistungsüberprüfungen in aller Welt. Laut einer Erhebung der Europäischen Kommission haben acht von 18 untersuchten Ländern zwischen 2000 und 2015 nationale Tests eingeführt, die am Ende der Grundschule oder Sekundarstufe I über die weitere Schullaufbahn der Schülerinnen und Schüler entscheiden. Im gleichen Zeitraum ist in 23 der 59 Länder, die wir in einer neuen Studie untersuchen, der Anteil der Schulen, die standardisierte Prüfungen für externe Vergleiche einsetzen, um mehr als 20 Prozentpunkte gestiegen.

          Die Debatte über zunehmende Prüfungen vernachlässigt aber oft die wichtige Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen und Verwendungen der Tests. Tests, die auf eine große Schülerschaft normiert sind und deren externer Vergleich Konsequenzen für die Schulen hat, unterscheiden sich grundlegend von Tests, die von den Lehrkräften selbst erstellt wurden, um die Lernfortschritte ihrer Klasse zu überprüfen. Auch ist eine Beurteilung von Lehrkräften auf Basis der Leistungen ihrer Schulklassen etwas anderes als die Auswahl von Schülern für den Zugang zur Universität.

          Wie die verschiedenen Formen von Leistungsüberprüfungen den Lernerfolg beeinflussen, wird davon abhängen, wie sie sich auf die Anreize und Verhaltensweisen der Akteure auswirken. Um dies zu testen, haben der Autor, Annika Bergbauer vom Ifo-Institut und Eric Hanushek von der Stanford University in einer neuen Studie (NBER Working Paper Nr. 24 836) Reformen von Tests und Prüfungssystemen in 59 Ländern in den Jahren 2000 bis 2015 untersucht. Dazu nutzen wir die Mikrodaten von mehr als zwei Millionen 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in allen sechs Befragungsrunden der internationalen Pisa-Studie. Da im Beobachtungszeitraum viele Länder ihre Prüfungspraktiken reformierten, können wir in unseren Analysen die Veränderungen in den Prüfungssystemen nutzen, die in den Ländern über die Zeit zu beobachten sind. Durchschnittliche Niveauunterschiede zwischen den Ländern bleiben in den Schätzungen unberücksichtigt, so dass unbeobachtete Merkmale der Länder, die sich über die Zeit nicht ändern, die Ergebnisse nicht verzerren. Zusätzlich rechnen unsere Analysen den Einfluss zahlreicher individueller Faktoren wie familiäre Hintergründe und schulische Ausstattungen heraus.

          Veränderte Prüfungstechnologie

          Unsere Ergebnisse zeigen, dass einige Formen der Leistungsüberprüfung den Lernerfolg der Schüler beeinflussen, während andere keinen erkennbaren Einfluss haben. Insbesondere verbessert eine Ausweitung von extern vergleichenden Prüfungen, die üblicherweise Konsequenzen für die Beteiligten haben, die Schülerleistungen, nicht jedoch eine Ausweitung interner Tests, die auf lokalen oder subjektiven Informationen beruhen.

          Einerseits geht eine vermehrte Verwendung extern vergleichender Prüfungen mit höheren Schülerleistungen in den internationalen Tests einher. In Ländern, die die Verwendung extern vergleichender Prüfungen ausgeweitet haben, haben sich die durchschnittlichen Mathematikleistungen der Schüler über den 15-Jahres-Zeitraum systematisch verbessert im Vergleich zu Ländern, die die Verwendung dieser Form von Prüfungen nicht ausgeweitet oder sogar verringert haben. Dies zeigt sich für Schülerleistungen in allen drei Fächern, Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen. Bei den extern vergleichenden Prüfungen gibt es sowohl schulbasierte Formen, die die Leistungen der Schulen mit den jeweiligen regionalen oder nationalen Leistungen vergleichen, als auch schülerbasierte Formen wie national standardisierte Prüfungen, die über den weiteren Bildungsweg entscheiden. Für beide Formen finden sich positive Effekte. Dabei sind die Effekte schulbasierter Formen in leistungsschwächeren Schulsystemen stärker ausgeprägt.

          Andererseits ergeben sich für schulinterne Tests, die nur informieren oder Fortschritte überwachen, kaum erkennbare Effekte auf die Schülerleistungen. Veränderungen in der Verwendung von internen Tests gehen nicht systematisch mit Veränderungen der Schülerleistungen der Länder einher. Gleiches gilt für interne Prüfungen, die zur Beurteilung der Lehrkräfte eingesetzt werden, einschließlich Inspektionen von Unterrichtsstunden.

          Auch die Einführung von standardisierten Tests ohne externe Vergleiche geht im Durchschnitt nicht systematisch mit Veränderungen in den Schülerleistungen einher. Allerdings hat sie in ursprünglich schwach abschneidenden Ländern positive Effekte, nicht hingegen in Ländern mit bereits starken Leistungen.

          Mit den sich verändernden Prüfungstechnologien wird es immer leichter, Leistungserhebungen durchzuführen. Darum wird es aus politischer Sicht zunehmend wichtiger, die Auswirkungen verschiedener Prüfungssysteme zu verstehen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass externe Vergleiche wichtig sind, damit Prüfungen die Schülerleistungen verbessern. Insofern sollten Politik und Schulen sich bei gefühlter Testeritis auf extern vergleichende Prüfungen konzentrieren.

          Prof. Dr. Ludger Wößmann leitet das Ifo-Zentrum für Bildungsökonomik.

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