https://www.faz.net/-gqz-9f0hy

Demokratie-Initiative : „Raus aus der Uni, rein in die Stadt“

  • -Aktualisiert am

Studenten und Absolventen der Frankfurter Goethe Universität rufen zur „mehr als wählen“-Initative für „die breite Masse“ auf. Bild: dpa

Eine studentische Initiative will Bürger in Frankfurt über Demokratie diskutieren lassen. Doch dabei soll es nicht bleiben: Die Ergebnisse sollen auch umgesetzt werden.

          Demokratie zu leben heißt für eine Initiative von Frankfurter Studenten mehr, als nur wählen zu gehen. Deshalb möchten die zehn jungen Frauen und Männer, die sich zur Gruppe „mehr als wählen“ zusammengeschlossen haben, einen Raum schaffen, in dem Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft gemeinsam über politische Fragen diskutieren können. Im Februar soll es so weit sein, dann findet der erste von drei Demokratiekonventen statt.

          „Populismus, Filterblasen und Politikverdrossenheit schwächen die Demokratie“, sagt Dominik Herold, Politikstudent und Vorsitzender der Initiative. Durch den Konvent möchte er Politik für den Einzelnen wieder stärker erfahrbar machen. Das Thema des ersten Treffens lautet Bürgerbeteiligung. 50Frankfurter werden hierzu eingeladen, ein Drittel davon aus unterrepräsentierten Gruppen, der Rest per Zufall.

          Projekt richtet sich an breite Masse

          „Viele in der Stadt fühlen sich nicht gehört“, sagt Johanna Kocks. Einladen möchte die Initiative deshalb gezielt Migranten, jüngere Menschen, Homo-, Trans- und Intersexuelle sowie Niedrigverdiener. „Allerdings keine Funktionsträger oder Vereinsvorstände, sondern Menschen aus der breiten Masse der Stadtbevölkerung“, betont Kocks. Die Politikstudentin hat mit dem Diskussionsforum „Es geht los“ in Berlin schon ein ähnliches Projekt mitorganisiert.

          Acht der zehn Mitglieder von „mehr als wählen“ studieren an der Goethe-Universität, zwei haben schon einen Abschluss. „Der Konvent wird auf keinen Fall ein Intellektuellen-Treff wie in der Uni. Wir wollen weg von einem kleinen elitären Kreis und rein in die Mitte der Stadt“, sagt Yannik Roscher. Niemand solle ausgeschlossen werden, denn auch extreme Meinungen, von links wie von rechts, müsse eine starke Demokratie aushalten. Generell gehe es nicht darum, Wahlempfehlungen auszusprechen, sondern einen „Raum für Meinungen“ zu schaffen.

          Lokale Partner sollen Ergebnisse umsetzen

          „Wir wollen hören, was die Frankfurter zu sagen haben“, sagt Herold. Die Ergebnisse des Konvents sollten dann auch in die Tat umgesetzt werden. Dafür hat die Initiative Unterstützer gewonnen. Lokale Partner sind etwa der Frankfurter Basketballverein Skyliners, mehrere Museen und die Landeszentrale für politische Bildung. Finanziert wird der Konvent durch die Hertie-Stiftung. Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Bürgermeister Uwe Becker (CDU) seien von der Idee angetan und wollten die Ergebnisse dem Magistrat vortragen, berichtet Vorstand Herold.

          Nicht nur Politikverdrossenheit, sondern auch die zunehmende Verrohung im Internet beunruhigt die Studenten. „Was man täglich in Kommentarspalten liest, ist skurril bis alarmierend. Es gilt, in die Filterblasen hineinzustechen“, sagt Roscher. Denn nur im direkten Dialog ließen sich vorgefertigte Meinungen widerlegen. „Echokammern gibt es aber nicht nur im Internet, sondern auch im echten Leben“, fügt Herold hinzu. Nur durch Austausch und Begegnung sei ein besseres Miteinander in der Gesellschaft möglich.

          Der Demokratiekonvent könnte zum Pilotprojekt werden, meint er. Wird die Veranstaltung ein Erfolg, soll sie in anderen Großstädten fortgesetzt werden. Schon in der Antike gab es demokratische Konvente, wie Vorstand Herold erläutert. Die alten Griechen könnten ihm und seinen Mitstreitern als Vorbild dienen. „Wir erfinden das Rad nicht neu, wir drehen es nur zurück.“

          Weitere Themen

          „Herbstsonate“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Herbstsonate“

          „Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

          Statistik ohne Qual

          „Professorin des Jahres“ : Statistik ohne Qual

          Das Fach, das Corinna Baum unterrichtet, erfreut sich unter Studenten keiner großen Beliebtheit. Umso erstaunlicher, dass es der Dozentin gelungen ist, zur „Professorin des Jahres“ gewählt worden zu sein.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.