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Sprachen-Labor Südpazifik : Entsteht hier ein neues Englisch?

Cara iBulubulu: Hier wird fidschianische Grabpflege betrieben Bild: Carolin Biewer

Wie verändert sich das Englische, wenn es als Zweitsprache gebraucht wird? Carolin Biewer ist der Frage im Südpazifik nachgegangen. Im Interview berichtet sie über eine Pionierarbeit und Herzenssache.

          Welche sind aus Ihrer Sicht die drei größten Unterschiede zwischen südpazifischem Englisch und britischem Standardenglisch?

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Carolin Biewer: Auf den Cookinseln kann zum Beispiel jemand sagen: „I’ll meet you next constitution“, was uns komisch vorkommt, weil „constitution“ im britischen Englisch „Verfassung“ bedeutet und „Ich treffe dich bei der nächsten Verfassung“ für uns keinen Sinn ergibt. Gemeint ist aber ein Tanzfestival, das einmal im Jahr zum Verfassungstag veranstaltet wird. Das wäre ein typischer Fall von kulturell bedingtem Bedeutungswandel. Dann gibt es in der Aussprache Unterschiede. Die polynesischen Sprachen haben weniger Plosive als das Englische. Plosive sind die Konsonanten, bei denen der Atemluftstrom kurz blockiert und anschließend sofort wieder freigesetzt wird, was explosionsartig klingt. Die polynesischen Sprache haben das „p“, „t“ und das „k“ – das „b“, „g“ und das „d“ aber kennen sie nicht. Sie vertauschen diese Laute dann im Englischen. So sagen die Cook Islanders schon einmal gerne „I’m going to the bup“, womit ein „pub“ gemeint ist. Statt „cold“ sagen sie auch mal „gold“. Das kann natürlich auch zu Missverständnissen führen. Wenn jemand sagt: „He is in my pan“, dann meint er nicht die Pfanne, es hat nichts mit Kannibalismus zu tun, sondern er meint die „band“. Auch was die Grammatik angeht, gibt es Unterschiede. Ein Bekannter von mir auf den Cookinseln sagte zum Beispiel: „I always go fishing with my father“, obwohl der Vater nicht mehr lebt und es eigentlich „I went“ oder „I used to“  heißen müsste. Statt „I walked along the beach yesterday“ wird „I walk along the beach yesterday“ verwendet. Die Markierung der Vergangenheit am Verb ist nicht da, was einerseits damit zu tun hat, dass diese -ed Endungen und unregelmäßige Formen schwierig zu lernen sind, es hat aber auch kulturelle Gründe.

          Sprachen enthalten ja erstaunlich viele Redundanzen.

          Carolin Biewer

          Ja. Das Interessante ist: Wenn Englisch nicht als Muttersprache gesprochen wird, haben die Sprecher eine geringere Hemmschwelle, Redundanzen wegzulassen, der andere versteht mich ja trotzdem. An anderer Stelle werden aber auch neue eingebaut. Ein typisches Beispiel für eine neue Redundanz wären auf den Cookinseln das Hinzufügen eines Plural-s bei Substantiven, die sich auf Objekte beziehen, welche man nicht zählen kann. Wenn Objekte zählbar sind, setzen wir im Englischen im Plural ein -s, wenn nicht, fällt es weg (two books aber some milk). Auf den Cookinseln, aber auch in anderen Varietäten des Englischen als Zweitsprache, gibt es die Mehrzahlform aber auch bei nichtzählbaren Objekten. Da wird zum Beispiel „homeworks“ oder „equipments“ gesagt. Das ist zum einen ein Regularisierungseffekt, aber auch eine Frage der kulturellen Wahrnehmung. In der Sprache der Maori zum Beispiel kann Wasser sehr wohl zählbar sein. Bei einer kleinen Menge gibt es die Vorstellung, dass man die einzelnen Tropfen zählen könnte. Deswegen kann im Englischen als Zweitsprache in solchen Fällen durchaus eine Pluralbildung verwendet werden.

          Auf welchem geographischen Gebiet befinden wir uns mit Ihrer Forschung? Welche Muttersprachen gibt es hier?

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