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Diversität bei der Feuerwehr : Löschen und Lesen

  • -Aktualisiert am

Feuerwehrmann im Einsatz Bild: dpa

Eine Wissenschaftlerin hat ein dramatisches Diversitätsdefizit bei der Feuerwehr festgestellt. Heterosexuelle Männer aus der Arbeiterschicht seien hier unter sich. Brauchen wir eine Löschdebatte?

          In der soziologischen Literatur gelten Feuerwehren als besonders veränderungsresistent. Das mag daran liegen, dass sich auch ihr Auftrag, Feuer zu bekämpfen und Menschen zu retten, wenig verändert hat. Ähnlich konstant ist das Vertrauen, das die Deutschen in ihre Feuerwehrleute haben. Die deutsche Mannschaft schenkte es bei der Feuerwehr-Olympiade 2017 in Villach mit sieben Goldmedaillen unter anderem in den Disziplinen „Löschangriff (nass)“ und „Hindernis-Staffellauf“ zurück. Wäre es also angemessen, ganz resistent weiter zu vertrauen?

          Auf keinen Fall, meint Ilona Horwath, Inhaberin der Professur Technik und Diversität an der Universität Paderborn. Sie leitet das gerade gestartete und vom Bundeswissenschaftsministerium geförderte Projekt Fortesy, das neue Ansätze zur Effizienz und Sicherheit im Feuerwehrwesen untersuchen will. Wer da an neue Löschfahrzeuge oder bessere Atemmasken denkt, liegt falsch. Das Übel des deutschen Feuerwehrwesens ist ein anderes: „Weiße, heterosexuelle Männer aus der Arbeiterschicht stellen dort die Mehrheit dar und prägen das Bild des typischen Feuerwehrmannes“, klagt Horwath. Ihre Hochschule ergänzt dies in der Pressemeldung um die Bemerkung, dass „Frauen und Migranten“ bei der Feuerwehr nicht nur unterrepräsentiert, sondern häufig sogar „unerwünscht“ seien.

          Die ihrerseits unerwünschte Dominanz der Arbeiterschicht in der Feuerwehr wird von Horwath zugleich als Integrations- und Effizienzhindernis betrachtet. Schließlich soll Fortesy auch einen gesellschaftlichen Spin-off erzeugen. Man wolle auch andere Organisationen im Bereich der Migrations-und Flüchtlingsarbeit mit „Gestaltungsempfehlungen“ bereichern, so Horwath. Das wird ein harter Weg. Änderungen von Routinen und Arbeitsabläufen, so Horwath, würden von Feuerwehrleuten nämlich immer dann skeptisch betrachtet, wenn „Orientierungen und Werte“ in Frage gestellt würden. Dass Routinen auch deshalb ungern verändert werden, weil sie sich bewährt haben, gilt in der Diversitätsforschung als ausgeschlossen. Es muss mit Werten und Ressentiments zu tun haben. Auf keinen Fall kann der Diversitätsmangel also daran liegen, dass sich nur sehr wenige Frauen bei der Feuerwehr bewerben und dass die umworbenen Akademiker lieber lesen als löschen.

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