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Schulen in Hamburg : Aus dem Scheitern gelernt

Zuhören, nicht besser wissen: Hamburgs Schulsenator Ties Rabe Bild: Picture-Alliance

Warum gelingt an der Elbe, was bei den anderen beiden Stadtstaaten in weiter Ferne zu liegen scheint? Wie Hamburg seine Leistungen im Bildungswesen merklich steigern konnte.

          Bei allen Leistungsstudien der vergangenen Jahre fanden sich die drei Stadtstaaten auf den drei letzten Plätzen wieder. Bremen bildete das Schlusslicht, Berlin lag auf dem vorletzten Platz, Hamburg auf dem drittletzten. Diese drei Plätze schienen wie in Stein gemeißelt. Das hat sich allerdings beim letzten Ländervergleich des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) vollkommen geändert. Vor allem beim Lese- und Hörverstehen in Englisch liegt Hamburg inzwischen auf den vordersten Plätzen, nur bei der Orthographie im Deutschen ist es nach wie vor weit abgeschlagen auf dem vorletzten Platz. Dafür konnte es sich beim Lesen und Zuhören in Deutsch immerhin auf das Mittelfeld vorarbeiten. Das ist umso erstaunlicher, als Hamburg den zweithöchsten Anteil von Schülern mit Einwanderungsgeschichte aufweist und außerdem im Bundesvergleich besonders viele Schüler, die zu Hause selten oder nie Deutsch sprechen. Wie das gelungen ist, fragen sich nicht nur die anderen Stadtstaaten.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Hamburg hat sich nicht dadurch verbessert, dass eine kleine Spitzengruppe außergewöhnlich gut war, sondern durch Verbesserungen in der Breite. So erreicht ein großer Anteil der Schüler schon in der neunten Klasse den Stand des mittleren Schulabschlusses. Wer sich fragt, warum in Hamburg gelingt, was bei den anderen beiden Stadtstaaten in weiter Ferne zu liegen scheint, muss weit zurückschauen. Hamburg hat schon in den neunziger Jahren mit einer flächendeckenden Untersuchung der Lernausgangslagen der Fünftklässler begonnen. Seit 2012/13 wird in Hamburg der Lernstand aller Schüler in den Jahrgängen 2, 3, 5, 7, 8 und 9 mit dem landeseigenen Test Kermit („Kompetenzen ermitteln“) jährlich getestet. Das für die Entwicklung der Aufgaben und die Auswertung verantwortliche Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung, in dem auch Bildungsinspektion und Schulentwicklung angesiedelt sind, hat fast so viele Mitarbeiter wie das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) der Kultusministerkonferenz. In einem ausführlichen Papier zum Umgang mit Kermit-Ergebnissen werden die Schulen darüber informiert, wie sie mit den Daten verfahren sollen. Die Testergebnisse gehen unmittelbar an Schulleitungen, Fachlehrer, Tutoren und Klassenlehrer sowie Schulaufsicht. Aber auch Schüler und Eltern werden informiert. Das Fachkollegium beschließt gezielte Schritte, die das Lernniveau verbessern sollen. Nach zwölf Monaten bilanziert die Fachkonferenz die ersten Erfolge und macht weitere Schwächen aus. So hat Bildungsmonitoring unmittelbare Folgen für den Schulalltag und schlägt sich im Idealfall im Lernerfolg der Schüler nieder.

          Eine bessere Ausstattung bewirkt wenig

          Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) berichtet, dass die Wissenschaftler in der Schulwelt eine größere Anerkennung genießen als die Bildungsadministration selbst. Sie hätten sich auch als Brückenbauer verstanden. „Man darf die Wissenschaftler auch nicht aus der Pflicht entlassen, dass Schule besser wird.“ Nur zu zählen und zu wiegen und die Verantwortung ansonsten anderen zu übertragen sei nicht richtig, aber die Mittlerposition der Wissenschaft habe sich sehr bewährt.

          Hamburg habe eine enorm gute Lehrerversorgung und lasse sich das auch einiges kosten. Es gibt dort mehr Lehrer als im Ländervergleich für kleinere Klassen, Sprachförderung, Ganztagsbetreuung und Inklusion. Die Mittel werden nicht mit der Gießkanne verteilt, sondern nach einem Sozialindex, der die soziale Belastung der einzelnen Schulstandorte berücksichtigt. Doch allein die bessere Ausstattung von Problemschulen bewirkt wenig, wie man in Berlin studieren kann. Es geht um mehr.

          Im Jahr 2006 hat Hamburg die „selbstverantwortete Schule“ eingeführt. Der Senat habe die Schule nicht alleingelassen, sondern sie begleitet, meint Rabe. Die Schulbehörde versucht also, den Schulen viel Freiheit zu lassen, andererseits aber auch die Lernergebnisse mit der Schule zu diskutieren.

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