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Für Studenten : Präventionsprogramm bei Panik und Depressionen

  • -Aktualisiert am

Bild: Picture-Alliance

Jeder vierte Student ist psychisch krank, sagt eine Studie, Behandlungsplätze in therapeutischen Praxen sind rar. Was kann das Online-Präventionsprogramm Studicare leisten?

          Bei Prüfungen ist der Kopf von Constanze Milbrad oft plötzlich leer. Der wochenlang gepaukte Lernstoff: einfach weg. Vor allem bei Klausuren in mathematischen Fächern passiere das öfter, sagt Milbrad, die Gesundheitsökonomie an der Fachhochschule Fulda studiert. Die 22 Jahre alte Studentin leidet an Prüfungsangst. Doch ein Behandlungsplatz in der Psychotherapie wurde Milbrad nicht angeboten, zu ausgelastet seien die Praxen. Deshalb habe die Studentin „die Sache selbst in die Hand genommen“ und stieß online auf studicare.info.

          Das Präventionsprogramm Studicare, das von der Krankenkasse Barmer mitfinanziert und wissenschaftlich von der Universität Erlangen betreut wird, ist ein Versuch der Krankenkassen, Studenten mit psychischen Krankheiten zu helfen. Das niedrigschwellige Online-Angebot solle es den jungen Leuten erleichtern, Hilfe anzufordern, sagt David Ebert. Der Psychologe bezeichnet das Online-Gesundheitstraining als einen „therapeutischen Arm im Alltag der Studenten“, das als kostengünstige Ergänzung zu einer ambulanten Behandlung in Anspruch genommen werden könne.

          Denn der Bedarf nach psychotherapeutischer Behandlung wächst: Der Arztreport 2018 der Barmer zeigt, dass jeder vierte Student bundesweit an einer psychischen Erkrankung wie Angststörung, Depression oder Panikattacke leidet – „Tendenz steigend“, sagt Ebert.

          Auch in Hessen wächst die Zahl an psychischen Erkrankungen unter Studenten. 140 300 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 leiden demnach an Depressionen oder Angststörungen. „Das ist im Blick auf das Jahr 2006 eine Steigerung um 65 Prozent“, sagt Martin Till. Die Gründe dafür seien vielfältig, sagt der Leiter der Barmer Hessen. Viele junge Erwachsene würden sich mit steigenden Anforderungen in Alltag und Studium konfrontiert sehen. Dazu zählten neben Leistungs- und Zeitdruck auch die Sorgen um Finanzen und Zukunftsangst. „Je weiter das Studium voranschreitet, desto wahrscheinlicher ist es, depressiv zu werden“, sagt Till. Doch nur die wenigsten Studenten würden Hilfe in Anspruch nehmen. „Lediglich 55 Prozent der Erkrankten sind in Behandlung“, sagt Till. Nicht die geringen Behandlungsplätze der Psychotherapeuten, sondern persönliche Einstellungen seien oft der Grund dafür, dass Studenten „das Problem lieber mit sich selbst lösen wollen“.

          Auch Milbrad habe Zeit gebraucht, bis sie sich die Prüfungsangst eingestand. Seit einigen Wochen nutzt die Studentin nun das kostenlose Gesundheitsprogramm. Gerade durchläuft sie ein Online-Seminar zur Stressbewältigung. „Bei der nächsten Prüfung wird sich dann zeigen, ob es hilfreich ist.“

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