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Wegen Plagiats entzogen : Mainzer Professorin kämpft um Doktortitel

  • -Aktualisiert am

Bild: Picture-Alliance

Einer Mainzer Professorin wurde vor wenigen Wochen der Doktortitel entzogen. Sie klagt dagegen. Wie geht es in solch einem Fall weiter, wie muss die Hochschule reagieren?

          Die Mainzer Professorin für Soziologie, Marina Hennig, kämpft um ihren Doktortitel. Andernfalls drohten ihr akademische Konsequenzen und ein Verlust von Pensionsansprüchen, wie Recherchen von FAZ.NET ergeben haben. Hennig wurde 1999 an der Berliner Humboldt-Universität (HU) zum Thema „Wandel von Einstellungen und Werten unter dem Aspekt des Autoritarismus deutscher Eltern im Zeitvergleich“ promoviert. Vor wenigen Wochen hat sich das Präsidium der HU nach einem vorangegangenen Prüfungsverfahren durch die Promotionskommission der zuständigen Fakultät dazu entschlossen, Hennig den verliehenen Doktorgrad zu entziehen. Gegen die Entscheidung klagt die Professorin vor dem Verwaltungsgericht Berlin. Deshalb ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig.

          In Hennigs Doktorarbeit wurden von der Rechercheplattform „VroniPlag Wiki“ (VPW) auf 44 Prozent der Haupttextseiten Plagiate gefunden.

          So heißt es in dem Bericht von VPW unter anderem: „In etlichen Fällen übernimmt die Verfasserin Formulierungen und Interpretationen aus Quellen, die einen anderen inhaltlichen Bezug haben, und passt Erstere in ihren eigenen Kontext ein. Dabei stellt sich grundsätzlich die – wohl im Einzelfall zu entscheidende – Frage, inwiefern die so entstandenen Aussagen in dem neuen Kontext noch sachlich begründet sind.“ Die Arbeit weise zudem auch zahlreiche Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler auf. Die Analyse von VPW lag der Promotionskommission bei ihrer Entscheidung vor.

          Vorwurf des Anstellungsbetrugs

          Der Fall Hennig hatte in Rheinland-Pfalz und im Land Berlin für politisches Aufsehen gesorgt. So erkundigten sich die AfD-Landtagsabgeordneten Martin Louis Schmidt (Mainz) und Martin Trefzer (Berlin) in Parlamentarischen Anfragen aus dem Jahr 2018 nach dem Stand des Verfahrens.

          Zu dem Titelentzug ihrer Professorin will sich die Universität Mainz derzeit nicht näher äußern. Man wolle erst die Rechtskraft der Entscheidung abwarten. Diese Rechtskraft wird möglicherweise erst in einigen Jahren eintreten: Hennig kann, vorausgesetzt ihre Klage vor dem Verwaltungsgericht Mainz hat keinen Erfolg, vor höheren Gerichten dagegen vorgehen. Möglicherweise steht ihr sogar der Weg zum Bundesverfassungsgericht offen. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung darf sie ihren Doktortitel weiter öffentlich tragen. „Erst wenn der Titelentzug rechtskräftig ist, kann die Universität Mainz ein förmliches Disziplinarverfahren einleiten“, sagt der Berliner Beamtenrechtler Ulrich Battis im Gespräch mit FAZ.NET. Dann entscheide ein Verwaltungsgericht in seiner Funktion als Disziplinargericht über die Entfernung der Professorin aus dem Dienst. Denkbar wäre der Vorwurf des Anstellungsbetrugs. Denn der Entzug des Doktortitels wirke rückwirkend: Hennig würde so gestellt, als hätte sie den Titel nie erworben.

          Habilitationsschrift wird geprüft

          Der Mainzer Professorin droht auch eine deutliche Einbuße bei ihren Ansprüchen auf Altersversorgung. „Im Falle einer Entlassung verliert ein beamteter Hochschullehrer seine Pensionsansprüche“, erklärt Battis. Es erfolge dann eine Nachversicherung bei der Deutschen Rentenversicherung. „Das kann im Einzelfall eine Halbierung der Altersversorgung bedeuten.“ Auch ein Wechsel der 1961 geborenen Hennig in den Ruhestand würde die Aufarbeitung nicht beenden. „Ein Disziplinarverfahren wird auch in der Pensionszeit weitergeführt“, sagt Battis. Etwas anderes sei dem Steuerzahler auch gar nicht zuzumuten.

          Die Mainzer Universität hat angekündigt, „je nach dem Ergebnis die rechtlich gebotenen Maßnahmen vor dem Hintergrund der gesetzlichen Vorgaben zu ergreifen.“ Hennig selbst hat sich auf unsere Anfrage hin nicht geäußert. VPW wirft der Professorin auch Plagiate in ihrer Habilitationsschrift vor. Hier wären auf 70 Prozent der Textseiten Übernahmen ohne Kennzeichnung zu finden. Die HU Berlin prüft inzwischen auch dieses Verfahren, das 2005 abgeschlossen wurde. Hennig wäre damit eine von bisher erst zwei in der deutschen Wissenschaftsgeschichte bekannten Professoren mit einem „Doppelplagiat“, mithin beträchtlichen Täuschungen in beiden Qualifikationsschriften.

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