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Plagiate in Doktorarbeiten : In dieser Stadt wird am meisten abgeschrieben

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Bild: Picture-Alliance

Ein Viertel aller als plagiatsbehaftet eingestuften Arbeiten auf der Wissenschaftsplattform „VroniPlag Wiki“ stammen von Hochschulen aus einer bestimmten deutschen Stadt. Politiker verlangen nun Aufklärung.

          Die zahlreichen Plagiatsfälle an Berliner Hochschulen wurden jüngst im Wissenschaftsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses thematisiert. Auslöser waren die Vorwürfe gegen die Soziologin Marina Hennig, die sowohl in ihrer Dissertation, als auch in der Habilitation getäuscht haben soll. Das wäre eines von bislang zwei bekannten Doppelplagiaten in Deutschland. Beide Arbeiten von Hennig wurden an der Humboldt-Universität eingereicht und bewertet. Inzwischen prüft die Hochschule die Texte. Ein Abschluss der Verfahren wurde für den Spätherbst dieses Jahres angekündigt.

          Der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses, Martin Trefzer (AfD), mahnte einen transparenten Prozess der Aufklärung in Plagiatsfällen an. Zudem müssten Öffentlichkeit und Bibliotheken über Wissenschaftsbetrug informiert werden. Seine Fraktion hatte die Anhörung zu dem Thema beantragt. Diese entwickelte sich zu einer lebhaften Debatte über Wissenschaftsbetrug, jenseits aller Parteigrenzen.

          Unterstützung bekam Trefzer von Abgeordneten aller Fraktionen außer den Grünen, die Verstöße gegen den Datenschutz befürchten, wenn die Namen von Plagiatstätern veröffentlicht würden. Dem widersprach Stefan Förster (FDP), der den Senat aufforderte, die Transparenz über die Aberkennung von Titeln im Rahmen der Rechtsaufsicht herzustellen. Ähnlich äußerte sich Tobias Schulze (Linke), der befand, dass Plagiate die Grundprinzipien der Demokratie und das Wissenschaftsethos in Frage stellen. Ina Czyborra (SPD) fragte, ob akademische Titel nicht besser auch nur in der Wissenschaft getragen werden sollten. Nicht jeder Mediziner oder Jurist bräuchte für seine Tätigkeit einen Doktortitel.

          Hochschulen müssen sich dem Thema Plagiate stärker widmen

          Der anwesende Staatssekretär Steffen Krach (SPD) erklärte, dass sich die Hochschulen dem Thema viel stärker widmen müssten. Er sei für „absolute Transparenz“. Die Berliner Hochschullehrerin Debora Weber-Wulff merkte an, dass sich die Charité bis heute weigere, mitzuteilen, welche Doktorgrade entzogen wurden. Was dazu führe, dass im Falle eines bekanntermaßen entzogenen Grades ein Mediziner bis heute auf seiner Homepage mit einem „Doktortitel von der Charité“ werbe – ohne dass die Hochschule eingreife. Weber-Wulff forderte eine landesweite Beratungsstelle über Plagiate, die sich sowohl um Hochschulen als auch um Schulen kümmern sollte. Selbst bei ihr, einer bekannten Plagiatsforscherin, würden Studenten noch plagiierte Arbeiten einreichen.

          Von den 203 bisher bei VroniPlag Wiki vermerkten Plagiatsdokumentationen stammen 46 aus dem Land Berlin, ein großer Teil von der Charité. Teilweise waren ganze Kapitel von Wikipedia übernommen worden, und manchmal seien im gedruckten Exemplar noch die Unterstreichungen des Internet-Lexikons zu sehen gewesen. Weber-Wulff vermutete, dass manche medizinische Doktorarbeiten von niemandem gelesen worden seien – nicht einmal von den Betreuern. Im kommenden Jahr werden sich die Abgeordneten mit der Qualität der Aufarbeitung der Plagiatsfälle an der Charité befassen.

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