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Neues Gesetz : Ist das Ende der Psychologie gekommen?

  • -Aktualisiert am

Im geschützten Raum: Therapeutische Gesprächssituation Bild: plainpicture/Maskot

Das Psychotherapeutengesetz führt eine Approbation für heilkundliche Psychotherapie ein und wertet die Klinische Psychologie auf. Damit scheinen die Tage einer einheitlichen Disziplin gezählt.

          Zwanzig Jahre nach Erlass des geltenden Psychotherapeutengesetzes hat das Bundeskabinett den Entwurf eines neuen Gesetzes über den Beruf der Psychotherapeutin und des Psychotherapeuten (kurz: Psychotherapeutengesetz) gebilligt. An der Zustimmung des Bundestages und des Bundesrates besteht kein Zweifel. Das neue Gesetz führt ein Verfahren zur staatlichen Approbation für heilkundliche Psychotherapie ein. Voraussetzung für die Approbation ist ein fünfjähriges Bachelor-Masterstudium an einer Universität oder einer gleichgestellten Hochschule.

          Tritt also ein neuer Studiengang Psychotherapie zu den über 3000 Masterstudiengängen hinzu, die nach Zählung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Deutschland bereits bestehen? Werden dafür neue Professuren eingerichtet und neue Räume bereitgestellt? Eine zusätzliche Finanzierung ist nicht in Sicht, und überhaupt halten manche einen eigenen Studiengang Psychotherapie fachpolitisch nicht für opportun. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie will jedenfalls eine Abspaltung der Psychotherapie von der Psychologie verhindern und schlägt daher vor, das neue Studium der Psychotherapie in das bestehende Studium der Psychologie einzugliedern. Die im Fakultätentag Psychologie vertretenen Institute und Fachbereiche scheinen gewillt, dem Vorschlag zu folgen.

          Doch da gibt es Probleme. Bisher haben die Hochschulen den Studiengang Psychologie innerhalb einer von den Kultusministern der Länder erlassenen Rahmenordnung selbst gestaltet; das Bachelorstudium war polyvalent angelegt, also vielseitig den Grundlagenfächern (Allgemeine Psychologie, Persönlichkeitspsychologie, Entwicklungs- und Sozialpsychologie) sowie der Methodenlehre gewidmet. Das Masterstudium sollte Grundkenntnisse vertiefen und auf vielfältige berufliche Anwendungen vorbereiten (wie Wirtschafts-, Rechts-, Verkehrspsychologie). Eine dieser Anwendungen war die Klinische Psychologie – so der international gebräuchliche Name des für die Diagnostik, Prävention und Therapie psychischer Störungen zuständigen Fachs. Das neue Gesetz verlangt als Voraussetzung für eine Approbation nach Bologna-Kriterien den Erwerb von 180 Leistungspunkten. Das sind sechzig Prozent der 300 Leistungspunkte aus fünf Studienjahren. Die Inhalte dieses Studienanteils sollen noch durch eine Approbationsordnung näher bestimmt werden. Sie sollen – so das Gesetz – Kompetenzen vermitteln, die für die Ausübung des Berufs des Psychotherapeuten erforderlich sind. Das ist unbestreitbar die Klinische Psychologie; sie wäre im vollen Umfang im neuen Studiengang vertreten. Wie weit zudem Grundlagen-, Methoden- und nicht heilkundliche Anwendungen als heilkundlich relevant berücksichtigt werden, ist abzuwarten; doch dürften sie in dem Pflichtanteil mit 180 Punkten nur schwach vertreten sein. Daraus ergibt sich eine schwerwiegende Verschiebung von den nicht heilkundlichen Grundlagen- und Anwendungsfächern zur heilkundlichen Klinischen Psychologie.

          Ein völliges Novum

          Nun werden vierzig Prozent des Studiums (120 von 300 Leistungspunkten nach Bologna) von der anstehenden Approbationsordnung nicht betroffen sein. Die Gesellschaft für Psychologie hofft, diese vierzig Prozent den nichtheilkundlichen Fächern zuweisen zu können und damit den Fortbestand der bisherigen Lehre von Grundlagen, Methoden und nichtheilkundlichen Anwendungen zu sichern. Diese Absicht unterstützt das Gesetz allerdings nicht. Es verpflichtet nämlich, den freien Anteil den sogenannten Bezugswissenschaften der Psychotherapie zu widmen. Psychologie ist zwar ausdrücklich als eine der Bezugswissenschaften genannt, aber eben nur als Beispiel einer Bezugswissenschaft neben Pädagogik und Medizin. Die Reihe von Disziplinen mit bedeutsamen Bezügen zu einer disziplinär offenen und gesellschaftlich reflektierten Psychotherapie lässt sich fortsetzen – etwa mit Philosophie, Soziologie und Kulturwissenschaften, Neurowissenschaften, Sprach-, Medien- und Kommunikationswissenschaften, nicht zu vergessen: gender studies. Der Gesundheitsminister selbst könnte den freien Studienanteil weiter beschneiden, wenn er – wie noch in seinem Gesetzesentwurf vom Januar vorgesehen – den Plan für ein Teilstudium der Psychopharmakologie verwirklicht, das Psychotherapeuten zur Verschreibung von Medikamenten berechtigt.

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