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Neuer Hochschulbildungsreport : Verlierer nach Punkten

Ohne Digitalisierung geht nichts: Studenten während der „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ Bild: dpa

Hochschulbildung soll stärker an den Bedürfnissen von Studenten und Arbeitgebern orientiert werden. Wie der Stifterverband die Entwicklung der deutschen Hochschulen zu gestalten versucht.

          Weiterbildung und Lehrerbildung an deutschen Hochschulen stagnieren und sind zu wenig auf die Zukunft ausgerichtet. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Hochschulbildungsreport des Stifterverbandes und der Unternehmensberatung McKinsey, der dieser Zeitung vorliegt. Eine Umfrage unter 600 Unternehmen hat ergeben, dass der deutschen Wirtschaft in den kommenden fünf Jahren etwa 700.000 Technik-Spezialisten fehlen. Dazu hat jeder vierte Erwerbstätige aus der Wirtschaft (Nach-)Schulungsbedarf in digitalen und nicht digitalen Schlüsselqualifikationen.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Mit der Bildungsinitiative „Zukunft machen“ will der Stifterverband in den nächsten Jahren neue Impulse für die Hochschulbildung geben. Ziel soll sein, langfristig den Bedarf an akademischem Nachwuchs zu decken, mehr Diversität und Durchlässigkeit im Bildungssystem zu schaffen und die Hochschulbildung stärker an den Bedürfnissen von Studenten und Arbeitgebern zu orientieren. Gemeinsam mit McKinsey überprüft der Stifterverband, ob sich Deutschland den Zielen nähert, und hat dafür sechs Handlungsfelder identifiziert: chancengerechte Bildung, beruflich-akademische Bildung, quartäre Bildung, internationale Bildung, Lehrerbildung und Mint-Bildung. Der Hochschulbildungsindex 2020 analysiert seit 2010 anhand von 70 Indikatoren den erreichten Stand in den sechs Handlungsfeldern.

          Das Ziel des vergangenen Reports aus dem Jahr 2017 von 70 Punkten erreicht nur eins von sechs Handlungsfelder: die internationale Bildung mit 75 Punkten von insgesamt 100. Chancengerechte Bildung und der Bereich beruflich-akademische Bildung liegen im Mittelfeld, genauso wie die Mint-Bildung. Schlusslichter bilden die Bereiche Weiterbildung und Lehrerbildung, die sich in einem beklagenswerten Zustand befinden. Obwohl die Digitalisierung der Schulen – so sinnlos auch immer sie sein mag – politisch gewünscht ist, liegt der Anteil der Studienanfänger in Informatik unter allen Lehramtsstudenten 2017 noch immer bei 1,9 Prozent und damit noch niedriger als 2010 (2,1 Prozent). Bedenklich ist auch, dass es immer weniger Absolventen für berufliche Schulen und berufliche Fächer im Sekundarbereich II bei den Lehramtsstudenten gibt. Die Erfolgsquote bei den Lehramtsstudiengängen mit 86,9 Prozent gehört zu den wenigen positiven Ergebnissen in diesem Feld. Der Anteil der Mint-Lehrer stagniert bei 29 Prozent und liegt noch weit unter dem Zielwert. Der Anteil männlicher Lehramtsstudenten für das Grundschullehramt liegt nach wie vor bei 16,4 Prozent und bewegt sich nicht, was auch an den geringen Karrieremöglichkeiten und der für viele Männer unattraktiven Bezahlung liegt. Das Grundschullehramt bleibt also weiblich. Damit die Mint-Bildung in Deutschland gestärkt wird, sollen mehr Frauen und mehr Ausländer für diese Studienfächer gewonnen werden. Die Anteil der weiblichen Studenten an Mathematik, Ingenieurwissenschaften und Naturwissenschaften (Min) liegt bei 37,1 Prozent, bei den Technikfächern sind es 23,9 Prozent. Bei den ausländischen Studenten sind es für die Min-Fächer 10,4 Prozent und in den technischen Fächern immerhin 14,9 Prozent.

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