https://www.faz.net/-gqz-9dj0e

Max-Planck-Gesellschaft : Exzellenz und Exzess

Singer schreibt die Vorwürfe über ihre Anwältin einer kleinen Gruppe zu, räumt aber ein, dass es aufgrund persönlicher Überlastung durch mehrere Großprojekte zu kommunikativen Schwierigkeiten gekommen sei und dass es ihr nicht gelungen sei, jedem Einzelbedürfnis gerecht zu werden. Dafür habe sie sich mit großen Bedauern entschuldigt. Um den Wiederholungsfall auszuschließen, werde sie die Zahl ihrer Projekte reduzieren.

Die Max-Planck-Gesellschaft, die im Februar 2017 über ihren wissenschaftlichen Fachbeirat von den Vorwürfen erfuhr, hält die Verfehlungen indessen für gravierend. Wie MPG-Sprecherin Christina Beck mitteilt, hat die MPG nach einem ergebnislosen Mediationsverfahren im Dezember 2017 darauf hingewirkt, dass Tania Singer die Leitungsfunktion ihre Gruppe niederlegt. Singer willigte ein. Die MPG will nicht von Mobbing sprechen, nimmt die Vorwürfe laut Beck aber sehr ernst.*

Vor diesem Hintergrund ist der Plan zur langfristigen Lösung des Konflikts, der den Mitarbeitern vor wenigen Wochen mitgeteilt wurde, alles andere als glücklich. Im Dezember 2017 informierte Singer ihre Mitarbeiter in einer Mail, dass sie im folgenden Januar ein Sabbat-Jahr antrete. Die Leitung ihrer Arbeitsgruppe wurde kommissarisch ihrem Leipziger Kollegen Wolfgang Prinz übertragen. Das beruhigt den Konflikt aber nicht einmal oberflächlich, denn die laufenden Projekte führt Tania Singer in dieser Zeit alleinverantwortlich weiter. Am Ende liegt es wieder an ihr, über Publikationen, Datenzugang und Karrierechancen von Mitarbeitern zu entscheiden, mit denen sie sich entzweit hat. Die Mitteilung der MPG, dass sich „die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Frau Singer und diesen Mitarbeitern reibungslos und professionell“ gestalte, vernimmt eine dieser Mitarbeiterinnen mit Erstaunen. Der Redaktion vorliegende Mails bestätigen, dass das Verhältnis zumindest nicht in jedem Fall reibungsfrei ist.

Noch unglücklicher ist der zweite Teil der Lösung: Vom kommenden Januar an soll Singer zunächst mit einem kleineren Team an einer Berliner Zweigstelle des Instituts arbeiten und nach zwei bis drei Jahren mit ebenfalls verkleinertem Team nach Leipzig zurückkehren. Viele sehen dieser Rückkehr mit Schrecken entgegen. Sie ist auch der Grund, warum sich ein Teil von ihnen an die Presse wandte. Der Plan der MPG ist tatsächlich ziemlich zweifelhaft. Die Leipziger Mitarbeiter sind darin das Bauernopfer. Ihre laufenden Verträge sollen während des Moratoriums nicht verlängert werden und bei Singers Rückkehr ausgelaufen sein: Bahn frei für einen unbeschwerten Neustart, jedenfalls für Tania Singer. Die MPG bezeichnet das als ganz normalen Vorgang, was aber nur auf die Doktoranden zutrifft, die selten länger als drei Jahre bleiben. Das übrige Personal darf sich fragen, warum die MPG der Person, die sie selbst als Problemursache betrachtet, eine goldene Brücke baut und sie selbst dafür ins Abseits schiebt. „Das Signal der MPG ist: Es ist uns egal, was da passieren wird. Sie schickt die Jungwissenschaftler in die Höhle des Löwen“, sagt eine Mitarbeiterin. Sie wisse nicht, woher die MPG den Optimismus nehme, dass künftige Mitarbeiter besser mit Tania Singer zusammenarbeiten würden,

Weitere Themen

Topmeldungen

Amt des Kommissionspräsidenten : Wer folgt auf Juncker?

Das Gerangel um die Besetzung der EU-Spitzenposten geht an diesem Donnerstag in die entscheidende Runde. Am Ende müssen sich Berlin und Paris einigen. Doch Merkel und Macron verfolgen unterschiedliche Strategien.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.