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Kompetenzen von Pädagogen : Das unterscheidet gute von schlechten Lehrern

Auch eine höhere Frauenquote führt zu einer besseren Lehrerkompetenz. Bild: dpa

Eine neue Studie kommt zu der Erkenntnis, dass Pisa-Ergebnisse direkt von den Lese- und Rechtschreibkompetenzen der Pädagogen abhängen. Am besten schneidet Finnland ab. Was läuft dort besser?

          Wie Schüler besonders viel und gut lernen können, ist ein heiß diskutiertes Thema. Leidenschaftlich streiten Politiker, Eltern und Fachleute über G8 oder G9 am Gymnasium, experimentelle pädagogische Konzepte und Herausforderungen wie Inklusion und Integration. Ein wichtiger Faktor ist dabei oft nur ein Randthema: die Qualität der Lehrer. Das ist ein Fehler, denn der Lernerfolg der Schüler hängt in erheblichem Maße von den Lese- und Rechenkompetenzen ihrer Pädagogen ab. Das zeigt eine internationale Vergleichsstudie, die demnächst im „Journal of Human Resources“, einer führenden bildungsökonomischen Fachzeitschrift, veröffentlicht wird.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Ergebnis der Ifo-Studie klingt erst mal banal – doch es überrascht in seiner Deutlichkeit. So sprechen die Autoren von einem „robusten positiven Zusammenhang zwischen den kognitiven Fähigkeiten der Lehrer und der Leistung der Schüler“ in den 31 untersuchten Industrieländern. Die großen internationalen Leistungsunterschiede bei Schülern, wie sie etwa in den Pisa-Studien beobachtet werden, entstünden auch durch Unterschiede in den Kompetenzen der Lehrer. Besonders gut schnitten in der Untersuchung finnische Lehrer ab, aber auch das Ergebnis der deutschen kann sich sehen lassen: Sie belegten beim Rechnen den dritten Platz, beim Lesen den zehnten.

          Die Größenordnung des Effekts machen die Forscher durch ein Gedankenexperiment deutlich: „Würde es allen untersuchten Ländern gelingen, ihre Lehrer auf das Niveau der finnischen Lehrer zu bringen, die international die höchsten Rechen- und Lesekompetenzen haben, würden sich die internationalen Unterschiede in den Schülerleistungen um rund ein Viertel verringern“, sagt Ko-Autor Simon Wiederhold von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

          Wo gute Lehrer, da gute Schüler

          Der kausale Zusammenhang zwischen Lehrer- und Schülerkompetenz zeige sich auch dann, wenn Faktoren wie die unterschiedliche Wirtschaftslage in den 31 Ländern, abweichende Schulsysteme oder das Elternhaus als Kontrollvariablen berücksichtigt werden. Heißt: Finnische Schüler schneiden im Pisa-Test nicht bloß deshalb so hervorragend ab, weil das Land reicher als Italien oder Litauen ist oder es mehr Akademiker gibt. Vielmehr sorgen Lehrer, die besser lesen und rechnen können, isoliert von allen anderen Einflüssen auch für bessere Schüler.

          Warum aber klaffen die Kompetenzen der Lehrer zwischen einzelnen Ländern (zum Beispiel Finnland und den Vereinigten Staaten) weit auseinander? Ein möglicher Grund ist die Bezahlung. Sie kann als wichtiger Anreiz dienen, begabten Uniabsolventen den Lehrerberuf schmackhaft zu machen. Tatsächlich bekommen amerikanische Lehrer im Vergleich zum durchschnittlichen Verdienst aller dortigen Akademiker nur wenig Geld; in Finnland ist es umgekehrt. Doch auch Deutschland zahlt gut und kann in Sachen Lehrerkompetenz und Schulerfolg mit den skandinavischen Ländern nicht ganz mithalten. Eine klare Kausalität streiten die Autoren also ab.

          Das gilt auch für einen zweiten möglichen Grund: den Anteil von Frauen im Kollegium und in anderen höher qualifizierten Branchen. Dieser Gedanke findet in der amerikanischen Forschung schon seit längerem größere Berücksichtigung. Denn historisch war der Lehrerberuf eine der frühen Bereiche, in denen Frauen arbeiten durften; so verblieb selbst den talentiertesten Frauen nach der Hochschule nur der Gang in die Schule. Heute ist der Anteil an Frauen auf hochqualifizierten Stellen insgesamt merklich gestiegen.

          In der Ifo-Studie zeigt sich ein Zusammenhang zwischen einem hohen Frauenanteil unter den Lehrkräften und einer hohen Lehrerkompetenz. In Singapur etwa ist der Anteil der Frauen, die in Schulen arbeiten, deutlich höher als in Chile und Amerika. Begabte Absolventinnen gehen in diesen beiden Ländern häufiger in andere Branchen wie Banken oder Kanzleien. Die Lese- und Rechenfähigkeiten der Lehrer sind dafür geringer als in Singapur.

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