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Kofi Annans Vorbild : Ein Retter wie Dag Hammarskjöld wollte er werden

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Nach alten Sagen bedeutet es Unglück, wenn man den „Fliegenden Holländer“ sieht. Den Eigentümern der Maschine, mit der Dag Hammarskjöld am 20. Juli 1956 auf dem Flughafen Genf landete, war das offenkundig entfallen. Dass der UN-Generalsekretär fünf Jahre später bei einem Flugzeugabsturz starb, liefert noch heute Stoff für Verschwörungstheoretiker. Bild: Picture-Alliance

Mit seiner Auffassung von den Möglichkeiten des UN-Generalsekretärs inspirierte Dag Hammarskjöld den jungen Kofi Annan. Die Kritik des Völkerrechtlers Eric Stein an Hammarskjölds Vorstellungen bleibt bedenkenswert.

          „In den Nachrufen, die ihm zuteil wurden, wurden allseits seine außergewöhnlichen persönlichen Eigenschaften hervorgehoben: die Tiefe und Brillanz seines Intellekts, seine Stärke an Geist, Hingabe, Mut und unglaublicher Ausdauer. Jene, die das Privileg genossen, eng mit ihm zusammenzuarbeiten, wurden von seiner ansteckenden Lebendigkeit und seinem Elan auch in Augenblicken größter Enttäuschung zu erneutem Bemühen inspiriert.“ Oscar Schachter, der im Januar 1962 im „American Journal of International Law“ den am 18. September 1961 bei einem Flugzeugunglück nahe der Stadt Ndola im Grenzgebiet zwischen der kongolesischen Provinz Katanga und Nordrhodesien, dem heutigen Sambia, ums Leben gekommenen Dag Hammarskjöld würdigte, war selbst als Rechtsberater einer der engsten Mitarbeiter des UN-Generalsekretärs gewesen.

          Der Völkerrechtler Schachter, der bis 2003 an der Columbia University lehrte, schätzte die realpolitische Normorientierung Hammarskjölds, der sich als „Mann des Rechts“ gesehen, zugleich aber rechtliche Normen stets nur als einen unter vielen Faktoren im politischen Prozess bewertet habe. Hammarskjölds „ausgeprägtes Bewusstsein für politische Realitäten und sein Talent für kreative politische Innovation“ hätten eine Ära internationalen Handelns herbeigeführt, in der sich die Vereinten Nationen beim Krisenmanagement von der Ebene der Worte auf die des Tuns bewegt hätten. „Es mag wohl sein, dass diese Ära mit dem Tod von Hammarskjöld an ein Ende gekommen ist“, resümierte Schachter – um nachzuschieben: „Doch es ist unwahrscheinlich, dass ihr Beispiel vergessen wird.“

          In der Tat ist es im Rückblick vor allem Hammarskjöld, der das Amt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen geprägt hat – und damit eine Form internationaler Autorität, die sich bis heute im Handeln der Weltorganisation manifestiert. Vorgezeichnet war diese Entwicklung in der UN-Charta nur bedingt. Artikel 7 Absatz 1 stellt klar, dass der Generalsekretär kein Hauptorgan ist. Offenkundig sollte er aber auch mehr sein als nur „der höchste Verwaltungsbeamte“ (Artikel 97), denn in Artikel 99 wird ihm die politische Kompetenz zugewiesen, „die Aufmerksamkeit des Sicherheitsrats auf jede Angelegenheit zu lenken, die nach seinem Dafürhalten geeignet ist, die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit zu gefährden“.

          Eine kohärente Konzeption internationaler Autorität

          Die Legitimation für sein entschlossenes Handeln in der Kongo- und der Suez-Krise, das ihn zunehmend in Konflikt mit der Sowjetunion gebracht hatte, leitete Hammarskjöld aus einer politischen Konzeption seines Amtes ab, welche die exekutiven Funktionen eines Quasi-Präsidenten mit den administrativen Funktionen eines Generalsekretärs verband. Dieses Verständnis der eigenen Rolle als „International Civil Servant in Law and in Fact“ erläuterte Hammarskjöld im Mai 1961 in einem Vortrag an der Universität Oxford. Sein Versuch einer legitimatorischen Grundierung des Charismas eines inmitten der Eiszeit des Kalten Krieges und der Konflikte der Dekolonisierung beherzt handelnden Weltstaatsmanns spiegelt implizit auch die Kritik, der sich der schwedische Karrierebürokrat gegen Ende seiner Amtszeit zunehmend ausgesetzt sah – und die, wie die meisten Nachrufe belegen, sein tragischer, bis heute von Verschwörungstheorien umwobener Tod doch weithin zum Verstummen brachte.

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