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Italienische Hochschulen : Unser System gehört zu den besten der Welt

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Das müsste bedeuten, dass die Universität Mailand eine besondere Unterstützung durch die Gesellschaft erfährt?

So ist es, die Unterstützung ist da, auch wenn sich das nicht unbedingt in den Finanzen zeigt. Die Stadt und die Region beziehen ihr Einkommen ja ebenfalls vom Zentralstaat. Aber die Region Lombardei schreibt in diesem Jahr 70 Millionen Euro für Forschungsprojekte aus, deren Angelpunkt auch unsere Universität ist. Mit 200.000 Studenten ist Mailand ja auch die größte Universitätsstadt Italiens.

Was sagen Sie jungen Wissenschaftlern aus Paris, Heidelberg, Kopenhagen, aus Universitäten, mit denen Sie zusammenarbeiten: Gibt es einen Grund, warum sie nach Mailand kommen sollten?

Am besten bringen sie ein Entwicklungsprojekt mit. Natürlich ist nicht jeder Bereich bei uns exzellent – das gibt es ja nirgends. Aber auch bei uns finden sich Dinge, die man auf diese Weise nirgendwo sonst findet. Das wäre doch ein Grund, hier etwas zu machen. In Sachen Materialforschung, Onkologie, Organtransplantationen und – auch wenn Sie lachen werden – Kosmetik gehören wir ohne Zweifel zur internationalen Spitze.

Università Statale di Milano

Und was sagen Sie den Studenten, etwa jenen, die über einen Erasmus-Aufenthalt nachdenken?

Im Bereich der Geisteswissenschaften gibt es hier eine Kenntnis historischer Dimensionen, die man sonst nirgends in Europa findet. Die analytische Philosophie hat die historische Dimension ausgelöscht. Unsere Studenten dagegen wissen, was Geschichte ist. Wer die geschichtliche Dimension in der philologischen, philosophischen, kulturwissenschaftlichen Forschung kennen lernen möchte, der komme hierher. In Italien gibt es auch noch den liceo classico, das Gymnasium, in dem man Griechisch und Latein lernt. Ohne triumphalistisch wirken zu wollen, bin ich der Meinung, dass unser Schul- und Universitätssystem zu den besten der Welt gehört.

Wie das, wo Lehrer und Eltern ständig über die Vernachlässigung durch den Staat klagen?

Natürlich gibt es gute und weniger gute Studenten. Und natürlich muss man das Bildungssystem ständig bewerten, die Wissenschaft bleibt ja nicht stehen. Aber alle unsere Studenten, die in die Welt gehen, werden für ihr Sachwissen und ihre Fähigkeiten zur Problemlösung geschätzt. Unsere Nachwuchsforscher, die in die USA gehen, bleiben dann auch dort.

In den Programmen der beiden regierenden Bewegungen ist wenig über die Förderung der Universitäten, der Forschung, des Wissens zu lesen.

Ich bin nicht parteilich. Nach meinem Eindruck hat über diese Themen niemand gesprochen, der Italien in den letzten Jahren regiert hat. Die Zuwendungen des Staats an die Universitäten sind seit zehn Jahren praktisch unverändert. Die derzeitige Regierung tut für die Hochschulen und die Forschung genau so viel, wie ihre Vorgänger, nämlich nichts. Es wird immer die bestehende Förderung fortgeschrieben, und manchmal nicht einmal das. So wurde im Jahr 2008 der Fonds für bauliche Maßnahmen der Universitäten durch die Regierung Berlusconi abgeschafft. Dabei ist das für die Universitäten von grundlegender Bedeutung, weil sie mehr für ihre Gebäude ausgeben als für die Forschung. Keine der Nachfolgeregierungen hat das jemals revidiert. Die Regierungen wechseln, das Verhältnis zwischen Bruttoinlandsprodukt und Forschung bleibt eines der niedrigsten in Europa.

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